Das Betrachten eines Filmes zu einem sozialen Vorgang werden lassen

Gerhard Büttenbender, o. T., 1962, Aquarell

Die Erweiterung eigener Erfahrung in der Erkenntnisleistung verweist den Rezipienten auf die eigenen Wahrnehmungsbedingungen. Eine ästhetische Botschaft, die tendenziell den Betrachter aktiviert und einbezieht, bringt menschliche Verständigung auf eine neue menschliche Ebene. Das Betrachten eines Filmes kann so selbst zu einem sozialen Vorgang werden. Sehr treffend scheint mir diese Einstellung bei John Cage formuliert: „Was nun die nichtintentionale Musik betrifft, so möchte sie dem Hörer mit Hilfe dieser oder jener Mittel klarmachen, dass das Hören eines Stückes seine eigene Tätigkeit ist – dass die Musik sozusagen mehr seine eigene ist als die des Komponisten. Und das bedeutet einen Übergang vom Konzipieren, das Sache der total determinierten Menschen ist, zum Perzipieren, das etwas für aktive Hörer ist.“

Gerhard Büttenbender in: Macht Filme, aber keine Filme!, Braunschweig 1979

Der ganze Beitrag ist hier zu lesen:

MAGISCHE BLÄTTER BUCH IV
CII. JAHRGANG WINTER 2020 / 2021
4. Quartalsausgabe November, Dezember, Januar
gebunden. ISBN-Nr. 978-3-948594-04-6

HEFT 1 | Januar 2021
TITELTHEMA: FILM

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Der Golem wie er in die Welt kam | Film und Architektur im Jakob-Böhme-Bund

Plakat zu Paul Wegeners Film „Der Golem, wie er in die Welt kam“

 

Eine eindringliche Beschreibung der Prager Judenstadt finden wir in Gustav Meyrinks Roman „Der Golem“ von 1915:

„Die Wasserschauer fegten über die Dächer hin und liefen an den Gesichtern der Häuser herunter wie Tränen. Die mißfarbigen Häuser hockten da vor meinen Augen wie verdrossene alte Tiere im Regen. – Ohne Überlegung hingebaut standen sie da, wie Unkraut, das aus dem Boden dringt. Dort ein halbes, schiefwinkliges Haus mit zurückspringender Stirn –, ein anderes daneben: vorstehend wie ein Eckzahn. Und manchmal fährt da ein schwaches Beben durch ihre Mauern das sich nicht erklären läßt, Geräusche laufen über ihre Dächer und fallen in den Regenrinnen nieder – und wir nehmen sie mit stumpfen Sinnen achtlos hin, ohne nach ihrer Ursache zu forschen.“

Anorganisches wird hier in Lebendiges beschrieben, der Anthropomorphismus (die Beschreibung der Häuser wie Menschengestalten) nimmt die Geschichte voraus, von dem gespenstischen Golem, den der Rabbi Löw aus einem Lehmklumpen geschaffen hatte und den er zum Leben erweckte.

 Aus der Einführung von Gerhard Büttenbender zu „Der Golem, wie er in die Welt kam“ im Rahmen der Filmreihe „Die Geometrie des Phantastischen“ zum Expressionismus im Deutschen Film, Kino im Künstlerhaus, Hannover 30.11.1998

Jetzt aktuell nachzulesen in:

Magische Blätter HEFT 6  |  Juli 2020
TITELTHEMA: ARCHITEKTUR & FILM IM JAKOB-BÖHME-BUND
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