Ich liebe, um zu lieben

Die Liebe ist für sich selbst genug, sie gefällt sich selbst und um ihrer selbst willen. Sie ist sich selbst Verdienst, sich selbst der Lohn. Die Liebe sucht außer sich keinen anderen Grund, erstrebt keinen anderen Gewinn. Ihr Genuß ist ihr Gewinn. Ich liebe, weil ich liebe, ich liebe, um zu lieben.

Es ist etwas Großes um die Liebe, wenn sie zu ihrem Uranfang zurückkehrt, wenn sie sich ihrem Ursprung wieder schenkt, wenn sie zu ihrem Urquell zurückströmt, um von dem Brunnen zu schöpfen, von dessen Wassern sie immerzu fließt.

Bernhard von Clairvaux (1090 – 1153)

Reiche Arme – arme Reiche

Die Nächsten bei dem Throne Gottes,
des Gepriesenen und Erhabenen,
sind die Reichen,
die als Arme wandeln
und die Armen,
die als Reiche handeln;

Der Größte unter den Reichen ist der,
welcher den Kummer der Armen versteht,
und der Beste unter den Armen ist der,
welcher der Reichen Erbarmen nicht anfleht;
denn Gott der Allmächtige hat gesagt:
»Wer auf Gott vertraut,
dem ist Gott genug.«

Mosleh o’d-Din Sa’di (1200–1290)

Gott mit und ohne Form

An eines zu glauben, ist genug. An den formlosen Gott zu glauben, das ist doch gut. So meine aber nicht, nur das sei wahr und alles andere falsch. Bedenke: Gott ohne Form ist wahr, und Gott mit Form ist auch wahr. Nimm, woran du glaubst, und halte daran fest.

Ramakrishna (1836 – 1886)