Es kribbelt und wibbelt weiter…

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Die Flut steigt bis an den Arrarat,
Und es hilft keine Rettungsleiter,
Da bringt die Taube Zweig und Blatt –
Und es kribbelt und wibbelt weiter.

Es sicheln und mähen von Ost nach West
Die apokalyptischen Reiter,
Aber ob Hunger, ob Krieg, ob Pest,
Es kribbelt und wibbelt weiter.

Ein Gott wird gekreuzigt auf Golgatha,
Es brennen Millionen Scheiter,
Märtyrer hier und Hexen da,
Doch es kribbelt und wibbelt weiter.

So banne dein Ich in dich zurück
Und ergib dich und sei heiter,
Was liegt an dir und deinem Glück?
Es kribbelt und wibbelt weiter.

Theodor Fontane (1819 – 1898)

Gott im Menschen

Der Mensch soll und muss wissen, dass Gott in ihm sei, dass er nicht irgendetwas ausdichte oder ersinne, als sei er tausend Meilen von ihm entfernt, sondern vielmehr erkenne, wie Himmel und Erde voll, voll Gottes sind und wie der Vater den Sohn in uns ohne Unterlass gebiert und der Heilige Geist nichts anderes als den Gekreuzigten in uns durch herzbewegende Betrübnis erklärt. Darüber gebricht uns nicht anderes, als dass wir unsere Blindheit nicht erkennen.

Thomas Müntzer (ca. 1490 – 1525)