Werkleute sind wir: Knappen, Jünger, Meister…

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Werkleute sind wir: Knappen, Jünger, Meister,
und bauen dich, du hohes Mittelschiff.
Und manchmal kommt ein ernster Hergereister,
geht wie ein Glanz durch unsre hundert Geister
und zeigt uns zitternd einen neuen Griff.

Wir steigen in die wiegenden Gerüste,
in unsern Händen hängt der Hammer schwer,
bis eine Stunde uns die Stirnen küßte,
die strahlend und als ob sie alles wüßte
von dir kommt, wie der Wind vom Meer.

Dann ist ein Hallen von dem vielen Hämmern
und durch die Berge geht es Stoß um Stoß.
Erst wenn es dunkelt, lassen wir dich los:
Und deine kommenden Konturen dämmern.

Gott, du bist groß.

Rainer Maria Rilke, 26.9.1899, Berlin-Schmargendorf

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Anrufung Milarepas

Foto: © wak

 

Lama, Schutzgottheit und Geister,
drei vereint in einem –
rufe sie an!

Meditation, Erleuchtung und Liebe zu allen Wesen,
drei vereint in einem –
meistere sie!

Dieses Leben, das nächste und das Stadium zwischen Tod und neuem Leben,
drei vereint in einem –
betrachte ihre Einheit!

Anrufung Milarepas

Geister und Seelen befruchtet und befrachtet

heer_eckhart

Im November 1956 erschien eine von Friedrich Heer herausgegebene Sammlung von Texten Meister Eckharts. In seiner Einleitung schreibt Heer unter anderem:

Was Meister Eckhart von der „Wallung“, vom  „Ausfluß“ und vom „Überkochen“ der Gottheit sagt, erfährt er an sich selbst. Die Gottheit „kocht über“ wie ein Gefäß, das übervoll ist; und ihr gleichend, weil zutiefst verwandt, weil ihr „Sohn“, kocht der Meister Eckhart über und befruchtet und zerstört mit seinen Lavamassen die Gefilde der Menschen. Eckhart, ein Vulkan. Eckhart, ein großer Zerstörer. Eckhart, ein Quell, der durch die Jahrhunderte hindurch Geister und Seelen befruchtet und befrachtet.

Friedrich Heer (1916 – 1983) über Meister Eckhart

Mehr hier:
http://www.ellopos.net/theology/eckhart-heer.asp