Warum fürchten wir die Stille?

Warum eigentlich fürchten wir die Stille?
Weil wir den Spiegel, den sie uns vorhält,
nicht ertragen können,
weil wir verlernt haben,
wirklich tief ehrlich zu sein,
mit anderen und auch mit uns selbst.

Die innere Stimme hat uns auch heute,
in diesem tönenden, lauten,
ja ich möchte sagen, gewalttätigen
Leben nicht verlassen.

Sie ist auch nicht leiser geworden,
nur wir sind lauter geworden
und stellen uns taub aus Angst
vor der Konsequenz,
aus Angst, einfach zu leben
und zu denken.

Wir müssen erneut Mut
und Vertrauen erlernen,
den Mut auf unsere eigene Stimme zu hören,
und das Vertrauen, ihr zu folgen,
denn alles laute Betäuben
oder gar Abtöten ist nur
ein zielloser Ausweg,
der in einer Sackgasse
anstatt in der Weite
der echten Freiheit enden muss.

Yehudi Menuhin (1916 – 1999)

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Der Herr ist mein Hirte

Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.

Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser.

Er erquicket meine Seele. Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen.

Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich.

Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde. Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein.

Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang, und ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar.

Psalm 23

Lebendig als Mensch unter Menschen

Wir sind hier; weil es letztlich kein Entrinnen vor uns selbst gibt.
Solange der Mensch sich nicht selbst in den Augen und Herzen seiner Mitmenschen begegnet, ist er auf der Flucht.
Solange er nicht zulässt, dass seine Mitmenschen an seinem Innersten teilhaben, gibt es für ihn keine Geborgenheit.
Solange er sich fürchtet, durchschaut zu werden, kann er weder sich noch andere erkennen – er wird allein sein.

Wo können wir solch einen Spiegel finden, wenn nicht in unseren Nächsten?

Hier in der Gemeinschaft kann ein Mensch erst richtig klar über sich werden und sich nicht mehr als den Riesen seiner Träume oder den Zwerg seiner Ängste sehen, sondern als Mensch, der – Teil eines Ganzen – zu ihrem Wohl seinen Beitrag leistet.
In solchem Boden können wir Wurzeln schlagen und wachsen; nicht mehr allein – wie im Tod – sondern lebendig als Mensch unter Menschen.

Richard Beauvais (1964)

Aus dem Leitbild der Hochgrat-Klinik