Die Welt ist die Signatur des Wortes

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Text der Lichtinstallation von Joseph Kosuth aus Heinrich Heines „Geschichte der Religion und Philosophie in Deutschland“ (1834/52) im  „Zentrum für Internationale Lichtkunst“ in Unna.

Einen ausführlichen Artikel über das Zentrum gibt es hier: https://www.theomag.de/15/am48.htm unter dem Titel: Ein Juwel am Rande des Ruhrgebiets

Siehe auch hier: https://www.lichtkunst-unna.de/de/startseite

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Es muss eine Stunde am Tag geben…

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Es muss eine Stunde am Tag geben, wo der planende Mensch alle seine Pläne vergisst und handelt, als hätte er überhaupt keine.
Es muss eine Stunde am Tag geben, wo der Mensch, der zu reden hat, verstummt. Dann formt er im Geist keine Anträge mehr, und er fragt sich: Hatten sie einen Sinn?
Es muss eine Stunde geben, wo der Mensch des Gebets anfängt zu beten, als geschähe es zum ersten Mal in seinem Leben, wo der Mann der Entschlüsse seine Entschlüsse beiseite schiebt, als wären sie alle zerronnen, und wo er eine neue Weisheit lernt: die Sonne vom Mond zu unterscheiden, Sterne vom Dunkel, das Meer vom festen Land und den Nachthimmel von der Wölbung eines Hügels.

Thomas Merton (1915 – 1968)

Ich sah in beiden Welten Eines

Was soll ich tun, o ihr Muslime? Denn ich kenn‘ mich selber nicht:
Weder Christ noch bin ich Jude, und auch Pars‘  und Muslim nicht:
Nicht von Osten, nicht von Westen, nicht vom Festland, nicht vom Meer,
nicht stamm‘ ich vom Schoß der Erde und nicht aus Himmels Licht.
Nicht aus Staube, nicht aus Wasser, nicht aus Feuer, nicht aus Wind,
nicht vom Throne, nicht von der Gosse und auch aus Seien und Werden nicht.
Nicht vom Diesseits, nicht vom Jenseits, nicht von Eden, nicht von der Hölle
nicht von Adam, nicht von Eva, auch vom Engel stamm‘  ich nicht.
Mein Raum ist raumlos, mein Zeichen die Zeichenlosigkeit,
ist weder Körper noch Seele,  ich bin nur ein Teil von Seinem Licht.
Die Zweiheit habe ich verworfen, ich sah in beiden Welten Eines
Einen such‘  ich, Einen ruf‘ ich, einen kenn‘ ich, Einen nenn‘  ich.
Wenn in meinem Leben nur ein Hauche ohne Dich vergeht,
Ab diesem Tag und dieser Stunde, für dieses Leben schäm‘ ich mich.

Dschelaluddin Rumi / Mevlana (1207-1273)

Mehr dazu hier:

http://www.deutschlandfunk.de/der-persische-mystiker-rumi-in-harmonie-mit-sich-selbst-und.2540.de.html?dram:article_id=333134