Es ist in dir

Der Jünger sprach zum Meister:
Wie mag ich kommen zu dem übersinnlichen Leben,
dass ich Gott sehe und höre reden?

Der Meister sprach:
Wenn du dich magst einen Augenblick in das
schwingen, da keine Kreatur wohnet,
so hörest du, was Gott redet.

Der Jünger sprach:
Ist das nahe oder ferne?

Der Meister sprach:
Es ist in dir, und so du magst eine Stunde schweigen
von allem deinem Wollen und Sinnen,
so wirst du unaussprechliche Worte Gottes hören.

Jakob Böhme (1575 – 1624)

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Die Stille ist der Wegweiser

Foto: © wak

Wir suchen Gott fast immer auf eine intellektuelle Weise. Wir wollen ihn verstehen und wissen, wer er ist und wo er ist. So kann man Gott nicht finden. Gott ist in unseren Herzen. Nur die Stille mit der Ausrichtung nach innen führt dorthin. Die Stille hält die Seele fern von Gedanken und Vorstellungen. In dieser heiligen Stille begegnen wir Christus in uns. Der Friede, der alles Verstehen übersteigt, führt zu Christus in uns. Gottes Gegenwart kann nur aufleuchten, wenn der Verstand still ist. Gott existiert jenseits von Doktrinen. Die Stille ist der Wegweiser. Beständig zum Einen schauen, der immer gegenwärtig ist. Mehr braucht man nicht.

Franz Jalicz (*1927) in: Die Geistliche Begleitung im Evangelium

Einen Stern bewegen

Alle Dinge
nah und fern
sind durch eine
unvergängliche Kraft
heimlich miteinander verbunden,
so dass du keine Blume
berühren kannst,
ohne dass dadurch
ein Stern bewegt wird.

Francis Thompson (1859 – 1907)

Heut gedenk‘ ich alter Zeit

Abendnebeldunst-
heut gedenk‘ ich alter Zeit –
Ach, wie ist sie fern!

Kobayashi Issa (1763 – 1827)
eigentlich Kobayashi Noboyuki

 

Allen Leserinnen  und Lesern von mystik aktuell wünsche ich ein gelungenes Jahr 2016!

Ihr Werner Anahata Krebber

Gehe selbst deinen eigenen Weg

Gehe selbst deinen eigenen Weg,
aber lasse auch jeden anderen
seinen eigenen Weg durchwandern,
auch wenn seine Ziele
ferne hinter dir liegen!

Du weisst nicht,
wann eines anderen Stunde kommt,
und du hast kein Recht,
ihn vor seiner Stunde im Schlafe zu stören.

Bô Yin Râ  / Joseph Anton Schneiderfranken (1876 – 1943)