Oscar Romero, das Votum der Armen und die Kirchenreform

Eine Sammlung zum 40. Todestag des Lebenszeugen aus El Salvador

Oscar Romero und die Kirche der Armen.
Zum 40. Todestag des Lebenszeugen aus El Salvador.
(Sonderband: edition pace; Redaktion: P. Bürger; Textstand: 13.03.2020)

IKvu-Internetfassung, März 2020: https://www.ikvu.de/ (Beim Klick auf den Link kann das Buch kostenfrei heruntergeladen werden)

Nach seiner Ermordung am 24. März 1980 wurde Oscar Romero durch die Armen Lateinamerikas und eine universale Kirche von unten unverzüglich als „Heiliger“ ausgerufen. Das Lebenszeugnis des salvadorianischen Bischofs erwies sich als Quelle von Ermutigung, Inspiration und Dankbarkeit auf dem ganzen Erdkreis. Gerade auch in den „reichen Ländern“ beriefen sich ab 1980 Initiativen und Netzwerke im Widerstand gegen die Religion des Neoliberalismus auf ihn. Dieses globale Geschehen einer „Heiligsprechung“ von unten ist einzigartig in der gesamten neueren Kirchengeschichte.

Im europäischen Wohlfühl-Christentum werden derzeit viele Kirchenreform-Debatten ohne Botschaft geführt. Das Vorbild Oscar Romeros kann uns weiterhelfen. Sein Weg zeigte schon vor 40 Jahren, wie eine synodale Kirche aussehen kann, die sich für Jesus von Nazareth entscheidet, und welche Lernprozesse in kurzer Zeit möglich sind, wenn die gesamte Kirche – einschließlich der Amtsträger – dem Kult der Macht widersagt. Das Evangelium der Armen und die Kirchenreform gehören zusammen.

Mit Beiträgen von Norbert Arntz, Peter Bürger, Christliche Initiative Romero (CIR), Andreas Hugentobler, Willi Knecht, Martin Maier SJ, Paul Gerhard Schoenborn & Stefan Silber

Herausgegeben in Kooperation mit: Ökumenisches Netzwerk Initiative Kirche von unten (IKvu), Solidarische Kirche im Rheinland, Ökumenisches Institut für Friedenstheologie

Abgeschiedenheit und inneres Schweigen

Foto: © wak

Es hat keinen Sinn, über Gott und die Liebe zu sprechen, wenn Menschen nicht in der Lage sind, zu hören.
Die Ohren, mit denen jemand die Botschaft des Evangeliums hört, sind im menschlichen Herzen verborgen. Diese Ohren hören nichts, solange ihnen keine Abgeschiedenheit und kein inneres Schweigen zuteil werden.

Thomas Merton (1915 – 1968) in „Thoughts in Solitude“

Hinderliches entfernen

Foto: © wak

Ein Edelstein liegt oft in unscheinbarer Hülle. Anderes Gestein liegt darüber, macht ihn unsichtbar und unschön.
Diese anderen Schichten wollen entfernt sein, soll der Edelstein in seiner Klarheit leuchten. Er muss geschliffen werden, damit er in seiner Schönheit strahlt.
Entfernen des Hinderlichen, das ist die Methode, damit das Schöne zum Strahlen kommt.
Entfernen des Hinderlichen, das ist die Methode für den Weg zu Gott.

Dionysius Areopagita (5. Jh.)

 

Ergänzung:

„Heute gibt es eine neue Aktualität des Dionysius Areopagita: Er erscheint wie ein großer Vermittler im modernen Dialog zwischen dem Christentum und den mystischen Theologien Asiens, deren bekannte Charakteristik in der Überzeugung liegt, dass man nicht sagen kann, wer Gott ist; von Ihm kann man nur in negativer Form sprechen; von Gott kann man nur mit dem Begriff „nicht“ sprechen und nur indem man in diese Erfahrung des „nicht“ eintritt, kann man Ihn erreichen. Und hier sieht man die Nähe zwischen dem Denken des Areopagiten und dem der asiatischen Religionen: Er kann heute ein Mittler sein, so wie er ein Mittler zwischen dem griechischen Denken und dem Evangelium war.“

Papst Benedikt XVI.: Ansprache während der Generalaudienz am 14.5.08: Dionysius Areopagita

Aus der Wüste herauskommen

Richard Rohr     Bildquelle: wikimedia/gemeinfrei

 

Wir müssen alle davon ausgehen, dass uns auch unser Weg in die Wüste führt und dass wir genau diesen drei Dämonen ins Auge sehen müssen: dem Bedürfnis, Erfolg zu haben; dem Bedürfnis, richtig zu liegen und dem Bedürfnis, Macht zu haben und alles in den Griff zu kriegen

Bevor wir nicht diesen drei Dämonen in uns selbst ins Auge gesehen haben, gibt es keine Möglichkeit, aus der Wüste herauszukommen und das Reich Gottes zu verkündigen. Sonst verkündigen wir immer nur unser eigenes Reich. Wir benutzen das Evangelium, um uns selbst zu inthronisieren.

Richard Rohr (*1943) in: Weniger ist mehr – Wege zu einer Spiritualität des einfachen Lebens