Wegloser Weg

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Jôshû fragte Nansen einmal: „Was ist der Weg?“

Nansen antwortete ihm: „Der alltägliche Geist ist der Weg.“

Jôshû fragte darauf:  „Soll ich mich selbst darauf ausrichten oder nicht?“

Nansen sagte ihm: „Wenn du versuchst, dich ihm zuzuwenden, wendest du dich von ihm ab.“

Jôshû fragte nach: „Wenn ich nicht versuche, mich ihm zuzuwenden, wie kann ich wissen, dass es der Weg ist?“

Nansen erwiderte: „Der Weg hat nichts zu tun mit Wissen oder Nicht-Wissen. Wissen ist Illusion. Nicht-Wissen ist ohne Bewusstsein. Wenn du den zweifelsfreien, wahren Weg wirklich erlangen willst, dann werde so grenzenlos und weit wie der Weltraum. Wie kann man darüber sprechen auf der Ebene von Richtig oder Falsch?“

Bei diesen Worten war Jôshû plötzlich erleuchtet.

Erleuchtet wie Meister Eckhart

Eine „Spiritualität für postmoderne Mystikerinnen und Mystiker“ hat die Theologin Sabine Bobert im Mai 2017 in der Erfurter Predigergemeinde vorgestellt. Hier kann der Vortrag nachgehört werden:

 

Mehr Vorträge gibt es hier:
http://www.meister-eckhart-erfurt.de/index.php?id=220

Mit unserem Potenzial Verbindung aufnehmen

Wenn wir einen dunklen Raum betreten
und das Licht anmachen,
spielt es keine Rolle,
ob der Raum
einen Tag, eine Woche oder zehntausend Jahre lang
dunkel war
– wir schalten das Licht an
und er ist erleuchtet.

Sobald wir
mit unserem Potenzial
zu lieben und glücklich zu sein,
Verbindung aufnehmen,
wird es hell.

Sharon Salzberg  (*1952)

Suche nach Erleuchtung

In Ihrer Wahrnehmung ziehen Wolken, in Ihrem Geist ziehen Gedanken vorbei. Im Körper kommen Gefühle auf, und Sie sind Zeuge von all dem. Der Zeuge funktioniert bereits vollkommen, ist völlig da, völlig wach. Während Sie diese Seite betrachten, ist das erleuchtete Selbst bereits zu hundert Prozent anwesend. Es ist der erleuchtete GEIST, der genau in diesem Moment diese Worte liest: Um wie viel näher können Sie dem wohl noch kommen? Warum weggehen und den Suchenden suchen? Die große Suche nach Erleuchtung ist nicht nur eine Zeitverschwendung, sondern sogar eine kolossale Unmöglichkeit, denn das erleuchtete Selbst ist allgegenwärtig, ebenso wie der Zeuge dieses oder jedes anderen Moments.

Das ist der Grund, warum es im striktesten Sinne wirklich kein Erlangen der Erleuchtung, kein Finden des Selbst gibt. Und dennoch hat es natürlich den Anschein, dass es Menschen gibt, die dieser Tatsache gegenüber mehr erwacht sind als andere – wir können sie „erleuchtet“ nennen, und in gewisser Weise ist das wahr. Aber in Wirklichkeit wird in diesen Fällen die Erleuchtung nicht entdeckt, sondern es wird in profunder Weise erkannt, was bereits da ist. Als ob Sie in ein Schaufenster schauen und eine verschwommene Gestalt sehen, die Sie anstarrt. Sie drehen Ihren Kopf, bis Sie erkennen, wer es ist. Erschrocken erkennen Sie plötzlich: Es ist Ihr eigenes Spiegelbild im Fensterglas. Sie sehen sich selbst.

Ken Wilber (*1949)

Erleuchtetes Sein

Seit Anbeginn trägt die unendliche Anzahl
aller existierenden Wesen
den vollkommen reinen Zustand
eines erleuchteten Seins
als ihre wesentliche Bedingung in sich.
Wissend, dass dies auch auf mich zutrifft,
übergebe ich mich der höchsten Erkenntnis.

Lonquenba (1308 – 1363)