Licht und leer

Was für Wahrnehmungen dir auch begegnen, du solltest wie ein kleines Kind sein, das in einen wunderschönen Tempel kommt: Es schaut, aber keinerlei Greifen mischt sich in seine Wahrnehmung. So bleibt alles frisch, natürlich, lebendig und unverdorben. Wenn du alles in seinem eigenen Zustand belässt, verändert sich seine Form nicht, seine Farben verblassen nicht und sein Glanz verschwindet nicht. Was immer auch erscheint, bleibt unbefleckt von jeglichem Greifen, und so ersteht alles, was du wahrnimmst als die nackte Weisheit von Rigpa, der Untrennbarkeit von Lichtheit und Leerheit.

Dudjom Rinpoche

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Wahre Identität

Handeln bedeutet, gegenüber deinen eigenen Gedanken – den guten wie den schlechten – wahrhaft aufmerksam zu sein, in die wahre Natur aller Gedanken zu schauen, weder die Vergangenheit zu verfolgen noch die Zukunft einzuladen, weder ein Anhaften an freudige Erfahrungen zuzulassen noch sich von traurigen Ereignissen überwältigen zu lassen. Wenn man so vorgeht, versucht man, den Zustand der großen Ausgewogenheit zu erreichen und in ihm zu verweilen; ein Zustand, in dem alles – gut und schlecht, Friede und Verzweiflung – leer ist von wahrer Identität.

Dudjom Rinpoche (1904-1987)

Leer

Obwohl verschiedene Formen wahrgenommen werden,
sind sie ihrem Wesen nach leer;
in der Leerheit nimmt man jedoch Formen wahr.

Obwohl verschiedene Klänge gehört werden,
sind sie ihrem Wesen nach leer;
in der Leerheit werden jedoch Klänge gehört.

Auch die verschiedenen Gedanken,
die entstehen, sind leer,
jedoch werden in der Leerheit Gedanken wahrgenommen.

Dudjom Rinpoche (1904 – 1987)