Beginenbuch im Digitalen Deutschen Frauenarchiv

Beginen in Wismar – und anderswo

Erinnerung an Beginen in Wismar Fotos: © wak

Mehr über Geschichte und Gegenwart der Beginen hier:

Gertrud Hofmann, Werner Krebber
Die Beginen. Geschichte und Gegenwart
topos taschenbücher 530

(Nur noch wenige Exemplare beim Verlag lieferbar)

Lütticher Beginenquelle

Die Skulptur links soll Lambert le Bègue zeigen, der um 1175 in Lüttich die erste Beginengemeinschaft begründet hat

Fotos: © wak

„Die Beguinen waren keine Klosterfrauen, sie legten keine Gelübde ab, waren auch nicht zeitlebens, sondern nur zeitweilig an ihr Haus gebunden, das sie wieder verlassen konnten, um zu heiraten und in die Außenwelt zurückzutreten. Sie beschäftigten sich mit Nähen, Spinnen und Weben, daher jede Beguine einen Spinnrocken mitzubringen hatte … ; ferner mit der Unterweisung der Jugend in weiblichen Handarbeiten, im Lesen, Schreiben und in den Grundlehren der Religion, wobei jedoch die Erweckung und Belebung des religiösen Sinnes bei ihren Pflegebefohlenen die Hauptsache war. Ganz besonders aber widmeten sie sich, gleich den barmherzigen Schwestern und Diakonissen der Jetztzeit, der Krankenpflege in ihrem Hause und außerhalb desselben, daher die größeren und besser dotierten Beguinenconvente auch eigene Krankenhäuser besaßen.“ In altertümlicher Sprache benennt der Historiker Julius Heidemann die Schwerpunkte des Wirkens der Beginen. Waren sie doch nicht nur die erste Frauenbewegung, sondern auch eine mutige Reformbewegung und Begründerinen einer spezifisch weiblichen Spiritualität.

Mehr hier:

https://mystikaktuell.wordpress.com/2010/11/21/beginen-mystikerinnen-des-tuns/

Oder hier:

https://mystikaktuell.wordpress.com/2012/05/20/beginen-mystik-verfolgung-und-verurteilung/

Und hier:

topos taschenbücher 530

 

Beginen heute: Provozierend?

„Marguerite Porete ist die erste Begine, die der Inquisition zum Opfer fällt. Der Grund ist ein kühnes Buch, das sie geschrieben hat, der „Spiegel der einfachen Seelen „. Marguerite hat es vermutlich in den Jahren nach 1290 verfasst. Sie beschreibt darin den Aufstieg der „einfachen Seele“ hin zur mystischen Verbindung mit Gott. Zu ihm, den sie geheimnisvoll den „Fernnahen“ nennt, gelange die Seele über sieben Stufen, um in
leidenschafts- und wunschloser Selbstentsagung alle irdischen Bande abzustreifen und sich mit dem Göttlichen zu vereinigen. Die Seele selbst wendet sich in diesem Buch an den Leser, belehrt ihn und führt Gespräche mit den Personifikationen der Liebe und der Vernunft. Vor allem aber bedarf die Seele, wie Marguerite Porete sie schildert, keiner Heilsvermittlung durch die Kirche, denn von einer bestimmten Stufe ihres Aufstiegs an ist
sie frei von Sünde und eins mit Gott im Gutsein und in der Liebe – eine Provokation für die Kirche.“ So schreibt Letha Böhringer in der „Zeit“ unter dem Titel „Falsche Nonnen. Beginen wie Marguerite Porete lebten fromm und ehelos außerhalb der großen Orden. Was hatte die Kirche gegen sie?“ (online 15. Oktober 2014 – 17:39 Uhr).

Letha Böhringer schreibt hier eine wichtige Erinnerung an eine große Frau, die zu Unrecht nur selten wahr-genommen wird (im doppelten Sinn des Wortes).

Provozierend war Marguerite Porete. Ja. Unter schwierigsten Bedingungen.

Aber wie provozierend sind die „neuen“ Beginen, jene Frauen, die die mittelalterliche Bewegung Mitte der 80er Jahre des letzten Jahrtausends neu belebten und in verschiedenen Ausprägungen reanimierten. Bei einem genauen Vergleich schneiden sie – so denke ich – schlecht ab.

„Tradition ist nicht das Halten der Asche, sondern das Weitergeben der Flamme“ soll Thomas Morus mal gesagt haben. Doch was ist heute übrig geblieben von den Aspekten Frauenbewegung, Sozialbewegung, Reformbewegung und Beginenmystik? Welche Flamme wollen die neuen Beginen noch weitergeben?

Aus dem neu erstehen einer Beginen-Bewegung ist eher eine Beginenhof-Bewegung geworden, die mit den Ursprüngen wenig zu tun hat. Mehr dazu findet sich in der Vortragspräsentation meines Vortrags in der Bensberger Thomas-Morus-Akademie:

Beginen im dritten Jahrtausend?  Kritische Anmerkungen zur Adaption einer Lebensform aus dem Mittelalter

beginen3jtd

https://de.scribd.com/doc/106655137/Beginen-im-dritten-Jahrtausend

http://wernerkrebber.wordpress.com/2012/09/22/beginen-im-dritten-jahrtausend/

Den ganzen Artikel von Letha Böhringer gibt es hier: http://www.zeit.de/zeit-geschichte/2014/03/beginen-kirche-christliches-leben

Siehe auch:

Gertrud Hofmann / Werner Krebber

Die Beginen – Geschichte und Gegenwart

hkdiebeginenhttp://www.toposplus.de/shop/productdetailtopos.asp?productid=22060