Keine Dunkelheit wird mehr sein

Hermes Trismegistos in einem Bodenmosaik | wikimedia gemeinfrei

 

Die Wahrheit, Gewißheit, das Wahrste, ohne Unwahrheit. Das Obere ist wie das Untere. Das Untere ist wie das Obere. Zu erlangen ist: das Wunder der Einheit. Alles ist geformt von der Betrachtung der Einheit, und alles kommt – durch Angleichung – aus der Einheit. Ihre Eltern sind Sonne und Mond, der Wind hat sie geboren, die Erde sie genährt. Jedes Wunder ist von ihr, und ihre Macht ist vollkommen. Wirf sie auf die Erde, und Erde wird von Feuer sich trennen. Das Ungreifbare getrennt vom Greifbaren. Durch Weisheit erhebt sie sich langsam von der Erde in den Himmel. Dann steigt sie zur Erde nieder, verbindend das Obere und das Untere. So werdet ihr die Erleuchtung der ganzen Welt haben, und keine Dunkelheit wird mehr sein. Dies ist die Macht aller Stärke: das Ungreifbare fügt sich ihr, das Feste durchdringt sie. Auf diese Weise wurde die Welt erschaffen. Die Zukunft wird herrliche Entwicklungen bringen, und dies ist der Weg. Ich bin Hermes, der dreifältige Weise; ich wurde so genannt, weil ich die drei Elemente aller Weisheit bewahre. Und so endet die Offenbarung des Werkes der Sonne.

Die Lehren, die Hermes Trismegistos zugeschriebn werden, hat Idries Shah so übersetzt in: Die Sufis. Die Botschaft der Derwische, Weisheit der Magier. Ein Kompendium der Sufi-Geschichte und -Lehre

 

Die Mystik der Derwische | Dokumentation auf arte

 

arte weist auf die Dokumentation mit folgendem Text hin:

Auf dem Balkan in den kargen, ursprünglichen Berglandschaften des Kosovo und Albaniens leben Christen und Muslime seit Jahrhunderten Seite an Seite. Hier entwickelten sich früh kleine muslimische Orden, die eine besondere Toleranz und Offenheit pflegen: Die Derwische. Ihr Ziel ist die mystische Einswerdung durch absolutes Gottvertrauen, strenge Askese und stille Meditation.

Derwisch, ein Begriff aus dem Persischen, bedeutet so viel wie „Tür“ oder „Tor“ und steht in der sufischen Symbolik für die Schwelle zwischen dem Erkennen der diesseitigen irdischen und der jenseitigen göttlichen Welt. Der 19-jährige Kosovo-Albaner Alixhan Basha, eigentlich Informatikstudent, sucht diese Erkenntnis bei den Rufai-Derwischen in Prizren. Der Film begleitet ihn, wie er die mystischen Praktiken des Sufismus kennenlernt – auch archaisch anmutende Rituale wie das rituelle Durchstechen der Wangen. Wird es ihm gelingen, die Zwänge seines modernen Alltagslebens mit seiner spirituellen Ausbildung zu vereinen? Im Gegensatz zu Alixhan lebt der 29-jährige Hisen Sulejmani als Derwisch-Novize wie ein Mönch. Sein Zuhause ist das Zentrum der Bektaschi-Sufis in Tirana und sein Alltag spielt sich zwischen Gebet und dem Studium alter Schriften ab. Doch dann erhält er vom Ordensführer einen ungewöhnlichen Auftrag: Ausgerechnet er soll drei junge Frauen zum Opferfest auf den heiligen Berg Tomorr führen und ihnen die religiösen Traditionen der Bektaschi-Derwische näherbringen. Es beginnt eine spirituelle Reise, bei der traditionelles Rollenverständnis und das neue Selbstbewusstsein moderner Albanerinnen aufeinandertreffen. Die Dokumentation wirft einen detaillierten Blick auf die mystischen Sufi-Traditionen des Balkans. Jahrhundertealte Bräuche zeigen einen Islam, wie ihn der Zuschauer noch nicht kennt.

Hier geht es zur Sendung:  https://www.arte.tv/de/videos/082195-000-A/die-mystik-der-derwische/

Gottesgegenwart

Foto: © wak

Das Credo der Sufis besagt, daß das Leben aus Göttlichkeiten beziehungsweise aus der Gottesgegenwart besteht. Mit Worten allein läßt sich der allumfassende Gott jedoch nicht begreifen. Verstand, Seele, Körper und Geist sollen gemeinsam den »Gottesdienst« leisten. Daher tanzt ein Sufi-auf-dem-Weg. Niemand hat je einen vollkommeneren, ekstatischeren Tanz erschaut als den der Sufis und Derwische. Ihr Tanz symbolisiert die Drehung des Mondes um die Erde, der Planeten um die Sonne.

Steff Steffân, Sufi-Praxis. Wiesbaden, o.J.

Mehr zu Spritualität und Praxis der Sufis am 27. Oktober im Mystikkreis Köln: https://mystikaktuell.wordpress.com/2019/09/26/sufi-mystik-des-islam-und-doing-nothing-herzliche-einladung-zum-mystik-sonntag-am-27-oktober/

Tanz: Brücke zwischen Himmel und Erde

Foto: © wak

Die Magie des heiligen oder sakralen Tanzes baut eine Brücke zwischen Himmel und Erde. Wenn man sie sich in einem Flammenkreis vorstellt, versinnbildlicht sie das Dasein, das, wenn aufgehoben, im Leben mündet.
So führt zum Beispiel der Tanz der Derwische in kreisartiger Bewegung von der Peripherie zum Zentrum, also zum Wesen des spirituellen Daseins, in einem Wort: zur Brücke.
Der Tanz überträgt auf seine Weise die geheimnisvollen Werte der Religionen, weshalb man behauptete, er sei göttlichen Ursprungs. Er ist die Sprache des Unbewussten und drückt Werte aus die sich im tiefsten Grunde des Wesens verbergen.
Durch den Tanz offenbart sich die Poesie des Rhythmus, denn die Poesie ist eine Gabe des Lebens. Kriegerisch, kraftvoll, erotisch, mystisch versucht der Tanz auszudrücken, dass Energien auf allen Ebenen des Universums schwingen. Er übermittelt eine Boschaft, die erhebt, weil sie Botschaft der Harmonie ist.

Frédéric Lionel (1908 – 1999)

 

Leben ist Gottesgegenwart

Foto: © wak

Das Credo der Sufis besagt, daß das Leben aus Göttlichkeiten beziehungsweise aus der Gottesgegenwart besteht. Mit Worten allein läßt sich der allumfassende Gott jedoch nicht begreifen. Verstand, Seele, Körper und Geist sollen gemeinsam den »Gottesdienst« leisten. Daher tanzt ein Sufi-auf-dem-Weg. Niemand hat je einen vollkommeneren, ekstatischeren Tanz erschaut als den der Sufis und Derwische. Ihr Tanz symbolisiert die Drehung des Mondes um die Erde, der Planeten um die Sonne.

Steff Steffân, Sufi-Praxis. Wiesbaden, o.J.

Perspektiven der Mystik von Ost nach West

Gestern erreichte mich die Bitte, auf eine Veranstaltung hinzuweisen, die Wolfgang Storch und Klaudia Ruschkowski in der „Villa Le Guadalupe“ im italienischen Volterra anbieten. Dem komme ich gern nach:

Perspektiven der Mystik von Ost nach West

Lectures, Gespräche, Hörstücke, Filme und Musik

10. Mai 2014 – 16. Mai 2014

Samstag, 10. Mai

Anreise
18.00 Begrüßung
Vorstellung der Referenten und Teilnehmer
19.00 Ronald Steckel: „Taghelle Mystik – eine Annäherung”
Abendessen

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Sonntag, 11. Mai

Zen und Taoismus

10.00 „Huang Po. Der Eine Geist“
Hörstück von Ronald Steckel, 1999 – 20 min
10.30 Ronald Steckel: Der Eine Geist und die „Nicht-Mystik“ des Zen-BuddhismusT
11.30 „Les résonances de bambou“, japanische Komposition, 1964—16 min

Mittagessen

15.30 Texte des Taoismus
Lesung von Barbara Stanek
Han Shan, „Gedichte vom Kalten Berg“
Dschuang Dse, „Das wahre Buch vom Südlichen Blütenland“
16.30 Ronald Steckel: Über Taoismus und „Die Lehre vom dreifachen Ich“
17.30 „Das China Projekt“
Hörstück von Ronald Steckel, 1985—45 min

Abendessen

21.30 „Warum Bodhi-Dharma in den Orient aufbrach”, Film von Bae Yong-kyun, Süd-Korea 1989 – 123 min

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Montag, 12. Mai

Islamische Mystik
Al-Hakim al-Tirmidhi und Rumi

10.00 Bernd Radtke: Annäherung an die islamische Mystik
11.00 Konzertaufnahme: Sufi Musik, Mewlevi-Derwische
11.30 Bernd Radtke, Al-Hakim al-Tirmidhi. Der „Theosoph von Tirmid“

Mittagessen

15.30 Bernd Radtke: Einige Gedichte Rumis in neuer Übersetzung
16.15 „Nur für Liebende“
Hörstück von Ronald Steckel nach Gedichten von Rumi, 2012 – 50 min
18.00 Konzertaufnahme: Mounir Bashir (Ud)

Abendessen

21.30 „Soldaten der Liebe – Senegals mystischer Islam“
Dokumentation von Werner Zips, Manuela Zips-Mairitsch, Österreich 2013

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Dienstag, 13. Mai

Chassidische Mystik
Juda ben Samuel, Issac Luria

10.00 Martin Treml: Juda ben Samuel
10.45 Barbara Stanek liest Juda ben Samuel, aus dem „Buch der Frommen“
11.00 Martin Treml: Isaac Luria
12.00 Barbara Stanek liest Isaac Luria, „Sabbathymne“ u.a.

Mittagessen
15.00 Ausflug nach Volterra
Abendessen

21.00 „Die große Stille“
Film von Philip Gröning, 2005 – 162 min

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Mittwoch, 14. Mai

Franziskanische Mystik
Francesco d’Assisi, Bonaventura, Dante

10.00 Wolfgang Storch: Francesco d’Assisi, Bonaventura, Dante
Mit Lesung und Konzertaufnahmen:
Francesco d’Assisi, „Cantico del frate sole” it.,dt., engl. – Ezra Pound
Bonaventura, „Pilgerbuch der Seele zu Gott“
Dante, „Göttliche Komödie, Paradies, 11. Gesang“
Franz Liszt, „St. François d’Assise: La prédication aux oiseaux“
Franz Liszt, „Cantico del Sol di San Francesco“
Franz Liszt, „Dante Symphonie. Magnificat“

Mittagessen

Deutsche Mystik
Bruno von Köln, Meister Eckhart, Johannes Tauler

15.30 Wolfgang Storch: Bernhard von Clairvaux und Meister Eckhart, Tauler, Seuse

16.00 „Meister Eckhart “Von der Armut”
Auszug aus “Vom Inneren & Äußeren Menschen“
Hörstück von Ronald Steckel, 2007—20 min
16.30 „Meister Eckhart & Quacki“
Komposition von John Adams, 1984— 10 min

17.00 „Von der Fülle und der Lehre – Johannes Tauler“
Hörstück von Ronald Steckel, 2010 – 50 min

Abendessen

21.30 Olivier Messiaen, “Die Vogelpredigt”, Akt II aus “Saint François d’Assise”, 1975-83—44 min

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Donnerstag, 15. Mai
Jacob Böhme

10.00 „Jacob Böhme. Philosophus Teutonicus“, Eine Reise auf den Spuren des ersten deutschen Philosophen
Text, Erzähler, Musik: Ronald Steckel, 1993 – 70 min
11.30 “Aurora oder Morgenröte im Aufgang” – Hommage à Jakob Böhme
Text, Musik, Regie: Ronald Steckel, 1993 – 56 min

Mittagessen

Russische Mystik im 20. Jahrhundert
Florenskij, Skrjabin, Malewitsch, Tarkowskij

15.30 Fritz Mierau: Über Pawel Florenski, referiert von Wolfgang Storch
16.30 Alexander Skrjabin, „Le Poème de l’Extase“— 23 min
Lesung des Gedichts und Konzertaufnahme der Komposition

17.30 „Malewitsch. Ich bin der Ursprung von allem“, Hörstück von Ronald Steckel, 2007 – 70 min
Projektion von Werken Kasimir Malewitschs

Abendessen

21.00 „Nostalghia“
Film von Andrej Tarkowskij, 1983 – 125 min

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Freitag, 16. Mai

Vormittag zu Gesprächen und freier Verfügung
Mittagessen

Simone Weil. Mark Rothko. Morton Feldman. Derek Jarman

15.30 Klaudia Ruschkowski: Über Simone Weil
16.15 „Schwerkraft und Licht – Hommage à Simone Weil“, Regie Ronald Steckel, 2006 – 50 min
17.30 Klaudia Ruschkowski: Über Mark Rothko
Projektion von Werken Rothkos
Morton Feldman, „Rothko Chapel“ – 24 min
18.00 „Blue“, Film von Derek Jarman, 1993 – 76 min

Mehr hier:

http://villa-le-guadalupe.com/programme/perspektiven-der-mystik/

Du bist wie der Wind

Du bist wie der Wind
Heiliger Geist

öffne mich für Dein Wehen
beim Anblick
deiner verwüsteten Schöpfung
deiner gequälten Geschöpfe
der fortgesetzten Vernichtung des Lebens

öffne mich für Dein Wehen
in den unerbetenen Reden der Kritiker
in den ungewohnten Gedanken der Denker
in den überraschenden Vorgängen der Geschichte
in den banalen Abläufen des Alltags

öffne mich für Dein Wehen
im stummen Dasein Buddhas
im bewegten Tanz der Derwische
im ehrfürchtigen Kniefall der Muslime
im frommen Gebet der Juden

denn Du bist wie der Wind
Heiliger Geist
und niemand kann Dich fassen

Anton Rotzetter OFMcap (*1939)