Nicht zugleich Heiliger und Schriftsteller

… Daher ist die Literatur, deren Funktion eine weltliche ist, mit der Geistlichkeit nicht vereinbar; die eine ist Umweg, Ornament, Schleier, die andere Unmittelbarkeit, Blöße: weshalb man nicht zugleich Heiliger und Schriftsteller sein kann. So ist der Text des Ignatius, meint man, geläutert von jeder Berührung mit den Verführungen und Illusionen der Form, kaum Sprache: er ist einfach der neutrale Weg, der die Vermittlung einer geistigen Erfahrung gewährleistet. Und so bestätigt sich wieder einmal der Platz, den unsere Gesellschaft der Sprache zuweist: sie ist entweder Dekoration oder Instrument.

Roland Barthes über die „Exerzitien“ des Ignatius von Loyola. In: Sade Fourier, Loyola, Frankfurt/M. 1974

Essenz der Existenz

Die Essenz der Existenz kennt keine Veränderung: sie bleibt. Und diese Essenz der Existenz wird Zen genannt. Er ist keine gewöhnliche Religion wie der Hinduismus, das Christentum, der Mohammedanismus, der Buddhismus, der Jainismus, der Judaismus – ich schließe sogar den Buddhismus ein – weil Zen die Essenz ist; alles andere ist nur Kommentar. Zen ist die Erfahrung, alles andere ist bloß Dekoration… Zen ist ein anderer Name für Existenz.

Osho (1931-1990)