Wie nun Gott in der Welt wohnet…

Wie nun Gott in der Welt wohnet,
und alles erfüllet, und doch nichts besitzet;
und das Feuer im Wasser wohnet und das nicht besitzt;
und wie das Licht in der Finsternis wohnet
und die Finsternis doch nicht besitzet;
der Tag in der Nacht und die Nacht im Tage;
die Zeit in der Ewigkeit und die Ewigkeit in der Zeit:
Also ist auch der Mensch geschaffen.

Er ist nach der äussern Menschheit die Zeit,
und in der Zeit;
und die Zeit ist die äussere Welt,
dasist auch der äussere Mensch.

Und der innere Mensch ist die Ewigkeit,
und die geistliche Zeit und Welt;
welche auch stehet in
Licht und Finsternis, als in Gottes Liebe,
nach dem ewigen Licht; und in Gottes Zorn,
nach der ewigen Finsternis:
welches in ihm offenbar ist,
darinnen wohnet sein Geist,
entweder in der Finsternis, oder im Lichte.

Jabob Böhme (1575 – 1624) in: Von der neuen Wiedergeburt

 

Auch in dir verborgen

Was auch immer in dieser Welt ist,
wenn es außer dir ist,
ist es nicht.

Was auch immer du suchst,
suche es in dir darinnen,

denn alles, was du suchst,
ist auch in dir verborgen.

Dschelaluddin Rumi (1207-1273)

Die Leere macht es

Dreißig Speichen treffen die Nabe;
Die Leere dazwischen
macht das Rad.

Lehm formt der Töpfer zu Gefäßen;
Die Leere darinnen
macht das Gefäß.

Fenstern und Türen bricht man in Mauern;
die Leere damitten macht die Behausung.

Das Sichtbare bildet die Form eines Werkes,
Das Nicht-Sichtbare macht seinen Wert aus.

Lao Tse (zwischen 600 und 300 v.u.Z.)