In den Himmel gezogen werden

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Selig ist die Seele, die sich hinüberschwingt, um alle Dinge in der blossen Gottheit zu empfangen. Die Seele soll begraben werden im Angesichte Gottes, sie soll in den Himmel gezogen werden, wo die drei Personen in der Einheit ihrer Natur darin wohnen. Das ist die verborgene Gottheit, über die man nicht sprechen kann. Selig sind, die die Überfahrt machen: denen werden alle Dinge, die doch allen Kreaturen unbekannt sind, in der Wahrheit bekannt.

Meister Eckhart (1260 – 1328) Von der Überfahrt zur Gottheit. In: Meister Eckharts mystische Schriften. Übertragen von Gustav Landauer, Berlin, 2. Auflage 1920, S. 120 (Mitarbeiter dieser zweiten Ausgabe war Martin Buber)

Bekanntwerden mit uns selbst

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Zen stellt keine „Motivation“ und auch kein „Interesse“ dar, irgendwohin zu gehen, gar irgendetwas zu tun, etwas zu „finden“ – Zen ist ganz einfach nur das Bekanntwerden mit uns. Wir sind. Folglich liegt es auf der Hand, dass wir auch wissen wollen, wer wir tatsächlich sind, und wer ich bin und wer Sie sind. Dazu ist keine besondere Neugierde erforderlich. Denn indem wir dieser Frage nachgehen, wollen wir ja gerade nichts „werden“; wir befinden uns nur auf dem Weg zu sein, uneingeschränkt nur zu sein.

Hans-Peter Hempel (*1934) in: Alle Menschen sind Buddha. Der Weg des Zen. Leipzig 2002, S. 83

Er ist unser wahres Selbst

Gott ist weder bekannt, noch unbekannt, sondern etwas viel Höheres. Er ist eins mit uns, und das, was eins mit uns ist, kann weder bekannt, noch unbekannt sein, weil es unser eigenes Selbst ist. Man kann sein eigenes Selbst nicht kennen, man kann es nicht aus sich herausstellen und zu einem Objekt der Anschauung machen, weil wir es sind und uns nicht davon absondern, trennen können. Aber man kann auch nicht sagen, dass wir es nicht kennen, denn was kennen wir besser als unser eigenes Selbst, das Zentrum all unserer Kenntnis? In genau dem gleichen Sinne ist Gott weder bekannt, noch unbekannt, sondern unendlich viel mehr als beides: Er ist unser wahres Selbst.

Swami Vivekananda (1863 – 1902)