Im innersten Grunde vollkommenste Weisheit

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Es gibt drei Weisen des Schweigens: die erste ist das Stillschweigen der Worte; die zweite das Schweigen des Begehrens und die dritte das Schweigen der Gedanken. Die erste ist vollkommen, vollkommener noch die zweite und am vollkommensten die dritte. Bei der ersten Weise, dem Schweigen der Worte, wird Tugend erlangt; bei der zweiten, dem Schweigen des Begehrens, erreicht man die Ruhe; bei der dritten Weise, dem Schweigen der Gedanken, kommt man zur inneren Sammlung. Nicht sprechend, nicht begehrend und nicht denkend gelangt man zum wahren und vollkommenen mystischen Schweigen, in welchem Gott mit der Seele spricht, sich ihr mitteilt und sie in ihrem innersten Grunde die vollkommenste und höchste Weisheit lehrt.

Miguel de Molinos (1628 -1696) in: Geistliches Weggeleit. 17. Kapitel: Vom inneren, mystischen Schweigen, Nr. 129. Freiburg Br. 2018, S. 126

Der Ungrund ist ein ewig Nichts

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Der Ungrund ist ein ewig Nichts und machet aber einen ewigen Anfang als eine Sucht; denn das Nichts ist eine Sucht nach Etwas: und da doch auch Nichts ist, das Etwas gebe; sondern die Sucht ist selber das Geben dessen, das doch auch nichts ist als bloß eine begehrende Sucht. Und das ist der ewige Verstand der Magiä, welche in sich machet, da nichts ist; sie machet aus Nichts Etwas und das nur in sich selber, und da doch dieselbe Sucht auch ein Nichts ist als nur bloß ein Wille. Er hat Nichts und ist auch nichts, das ihm etwas gebe, und hat auch keine Stätte, da er sich finde oder hinlege.

Zitat von Jacob Böhme in: Felix Voigt in: Beiträge zum Verständnis Jakob Böhmes. Vom Wesen seiner Persönlichkeit und seiner Gedankenwelt (2)

Der komplette Text ist hier zu lesen:

MAGISCHE BLÄTTER BUCH V
CII. JAHRGANG FRÜHJAHR 2021

HEFT 2 | Februar 2021
TITELTHEMA: Jacob Böhme (2)

gebunden. ISBN 978-3-948594-06-0 – 20,00 €

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Bestellt werden können die Magischen Blätter hier: kontakt@verlagmagischeblaetter.eu

 

Der Urgrund ist ein ewig Nichts

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Der Urgrund ist ein ewig Nichts, und machet aber einen ewigen Anfang, als eine Sucht; denn das Nichts ist eine Sucht nach etwas: und da doch auch nichts ist, das etwas gebe; sondern die Sucht ist selber das Geben dessen, das doch auch nichts ist als bloß eine begehrende Sucht. Und das ist der ewige Verstand der Magiae, welche in sich machet, da nichts ist; sie machet aus nichts etwas, und das nur in sich selber, und da doch dieselbe Sucht auch ein Nichts ist, als nur bloß ein Wille. Er hat nichts, und ist auch nichts, das ihm etwas gebe, und hat auch keine Stätte, da er sich finde oder hinlege.

Jacob Böhme (1575 – 1624)