Gottes heiliger Tempel bist du

 

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Die Pforte steht zwischen dem Draußen und dem Drinnen – zwischen Markt und Heiligtum – zwischen dem, was aller Welt gehört und dem Geweihten Gottes. Und wenn Einer durch sie hindurchgeht, dann spricht sie zu ihm: Lass draußen, was nicht hereingehört, Gedanken, Wünsche, Sorgen, Neugierde, Eitelkeit. Alles, was nicht geweiht ist, lass draußen. Mach dich rein, du trittst ins Heiligtum.

Wir sollten nicht eilfertig durch die Pforte laufen! Sollten mit Bedacht hindurchge­hen und unser Herz auftun, damit es vernehme, was sie spricht.

Aber die Pforte sagt noch mehr. Gib einmal acht: wenn du hindurchgehst, hebst du unwillkürlich Kopf und Augen. Der Blick steigt empor und weitet sich in den Raum. Die Brust tut sich auf – in der Seele wird es groß. Der hohe Kirchenraum ist ein Gleichnis der unendlichen Ewigkeit, des Himmels, wo Gott wohnt. Gewiss, die Berge sind noch höher, die blaue Weite draußen stiegt ins allem, engUnermessbare. Aber alles ist offen, ohne Grenze noch Gestalt. Doch hier aber ist der Raum für Gott aus­gesondert – für Ihn geformt, heilig durchbildet. Wir fühlen die aufsteigenden Pfeiler, die breiten Wände, die hohe Wölbung: Ja, das ist Gottes Haus, Gottes Wohnung in einer besonderen, geistlichen Weise. Die Pforte aber führt den Menschen in dieses Geheimnis: Sie sagt: Mach dich frei von allem, was eng und ängstlich ist. Wirf ab, was niederdrückt. Weite die Brust- hebe die Augen! Gottes Tempel ist dieses und ein Gleichnis deiner selbst, denn Gottes lebendiger Tempel bist ja du, dein Leib und deine Seele – mache ihn frei und hoch!

Romano Guardini (1885 -1968)

Auf Weisheit bedacht

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Der Mund des Gerechten
wird auf Weisheit bedacht sein,
und seine Zunge wird sprechen,
was recht ist.

Das Gesetz seines Gottes
ist in seinem Herzen,
seine Schritte werden nicht wanken.

Aus den Psalmen

 

Anton Bruckner (1824 – 1896) vertonte mit dem  „Os justi“ (WAB 30) ein Graduale an den Festen heiliger Kirchenväger im Jahr 1879 auf Wunsch von Ignaz Traumihler, dem Musikdirektor am Stift St. Florian bei Linz. Auf eigenen Wunsch liegt Bruckner unter der Orgel dort begraben (Bruckner-Orgel)

Atmen

Wie aber wird bedachtsam, ihr Mönche, Ein- und Ausatmung geübt, wie gepflegt, auf daß sie hohen Lohn verleihe, hohe Förderung? Da begibt sich, ihr Mönche, der Mönch ins Innere des Waldes oder unter einen großen Baum oder in eine leere Klause, setzt sich mit verschränkten Beinen nieder, den Körper gerade aufgerichtet, und pflegt der Einsicht. Bedächtig atmet er ein, bedächtig atmet er aus.

Atmet er tief ein, so weiß er ‚Ich atme tief ein‘, atmet er tief aus, so weiß er ‚Ich atme tief aus‘; atmet er kurz ein, so weiß er ‚Ich atme kurz ein‘, atmet er kurz aus, so weiß er ‚Ich atme kurz aus‘. ‚Den ganzen Körper empfindend will ich einatmen‘, ‚Den ganzen Körper empfindend will ich ausatmen‘, so übt er sich. ‚Diese Körperverbindung besänftigend will ich einatmen‘, ‚Diese Körperverbindung besänftigend will ich ausatmen‘, so übt er sich. ‚Heiter empfindend will ich einatmen‘, ‚Heiter empfindend will ich ausatmen‘, so übt er sich. ‚Selig empfindend will ich einatmen‘, ‚Selig empfindend will ich ausatmen‘, so übt er sich. ‚Die Gedankenverbindung empfindend will ich einatmen‘, ‚Die Gedankenverbindung empfindend will ich ausatmen‘, so übt er sich. ‚Diese Gedankenverbindung besänftigend will ich einatmen‘, ‚Diese Gedankenverbindung besänftigend will ich ausatmen‘, so übt er sich. ‚Die Gedanken empfindend will ich einatmen‘, ‚Die Gedanken empfindend will ich ausatmen‘, so übt er sich. ‚Die Gedanken ermunternd will ich einatmen‘, ‚Die Gedanken ermunternd will ich ausatmen‘, so übt er sich. ‚Die Gedanken einigend will ich einatmen‘, ‚Die Gedanken einigend will ich ausatmen‘, so übt er sich. ‚Die Gedanken lösend will ich einatmen‘, ‚Die Gedanken lösend will ich ausatmen‘, so übt er sich. ‚Die Vergänglichkeit wahrnehmend will ich einatmen‘, ‚Die Vergänglichkeit wahrnehmend will ich ausatmen‘, so übt er sich. ‚Die Reizlosigkeit wahrnehmend will ich einatmen‘, ‚Die Reizlosigkeit wahrnehmend will ich ausatmen‘, so übt er sich. ‚Die Ausrodung wahrnehmend will ich einatmen‘, ‚Die Ausrodung wahrnehmend will ich ausatmen‘, so übt er sich. ‚Die Entfremdung wahrnehmend will ich einatmen‘, ‚Die Entfremdung wahrnehmend will ich ausatmen‘, so übt er sich.

Also wird bedachtsam, ihr Mönche, Ein- und Ausatmung geübt, also gepflegt, auf daß sie hohen Lohn verleihe, hohe Förderung.

Gautama Buddha (ca. 563-483 v. u.Z.)