Lotusblumen wachsen nicht auf Marmor

Damit der Baum der Erleuchtung
wachsen kann,
müssen wir guten Gebrauch
von unseren Sorgen, unserem Leid machen.
Es ist wie bei der Anzucht von Lotusblumen:
Lotusblumen wachsen nicht auf Marmor.
Ohne Schlamm können wir keine Lotusblumen aufziehen.

Thich Nhat Hanh (*1926) in seinem Buch „Ärger“, München 2007

Gefunden habe ich diesen Text hier:
https://seelengrund.wordpress.com/

Johann Wolfgang von Goethe: Gingko Biloba

gingkobilobaBildquelle: wikimedia – gemeinfrei

Die Reinschrift von Goethes „Gingko biloba“ befindet sich im Düsseldorfer Literaturmuseum Schloss Jägerhof – nicht in Weimar, wie erwartet werden könnte…

 

Gingko biloba

Dieses Baums Blatt, der von Osten
Meinem Garten anvertraut,
Giebt geheimen Sinn zu kosten,
Wie’s den Wissenden erbaut,

Ist es Ein lebendig Wesen,
Das sich in sich selbst getrennt?
Sind es zwei, die sich erlesen,
Daß man sie als Eines kennt?

Solche Frage zu erwidern,
Fand ich wohl den rechten Sinn,
Fühlst du nicht an meinen Liedern,
Daß ich Eins und doppelt bin?

Johann Wolfgang von Goethe (1749 – 1832) im Jahr 1815.
Das Gedicht erschien im „Buch Suleika“ des „West-Östlichen Divan“

Die Feige in den Religionen

 

feige_edenkobenFeige an der Ludwigshöhe in Edenkoben                          Foto (c) wak

… Im Buddhismus wird der Feigenbaum (Bodhibaum) als Baum der Erkenntnis verehrt, da unter ihm Buddha die Erleuchtung empfangen habe. In Nepal nennt man ihn den Pipal und er verkörpert das männliche Prinzip.

In hinduistischen Mythen wohnen Götter im Pipal, vor allem der elefantenköpfige Gott Ganesh, der Gott der Güte und Weisheit des Herzens.

In der christlichen Symbolik ist oft der vertrocknete Feigenbaum dargestellt, der die Jesus nicht anerkennende Synagoge (das Judentum) oder die Irrlehre symbolisiere.

Der fruchttragende Feigenbaum hingegen ist in der Bibel ein Element des sorglosen Lebens im Paradies. Die erste „Bekleidung“ (Gürtel) des Urelternpaares Adam und Eva bestand aus Feigenblättern. …

Annette Kuptz-Klimpel

Den vollständigen Text gibt es hier:
http://www.symbolonline.de/index.php?title=Feige

Antwort

der Mandelbaum blühte
im Winter

als Franz von Assisi
ihn berührte.

Vielleicht
berührte er ihn

mit seiner Frage,
mit seiner Bitte

zu ihm zu sprechen
von Gott.

Tief genug
hatten sie einander

berührt,
einander verstanden,

und so standen sie
beide

in voller Blüte,
mitten

im Winter:

der Heilige
und der Baum

 

(Hannah Buchholz 2009 / 2014)

Erschienen in:

hb_schlaflos

Hannah Buchholz: Schlaflos. Gedichte. München 2014, S. 151

http://linden.kutv.de/Lyrik-Kunst-und-Text/Buchholz-Hannah-Schlaflos::2.html

Das mitfühlende Herz des erleuchteten Geistes

Es ist das erhabene Elixier,
Das die Herrschaft des Todes überwindet.
Es ist der unerschöpfliche Schatz,
Der die Armut in der Welt beseitigt.
Es ist die überragende Medizin,
Die alle Krankheiten der Welt kuriert.
Es ist der Baum, der allen Wesen Schutz gewährt,
Die müder sind vom Wandern auf dem Pfad bedingter Existenz.
Es ist die grosse Brücke,
Die zur Freiheit von Wiedergeburten in niederen Bereichen führt.
Es ist der aufgehende Mond des Geistes,
Der die Qualen verwirrender Konzepte auflöst.
Es ist die mächtige Sonne, die schließlich
Die Nebel der Verblendung in der Welt vertreibt.

Shantideva  (7./8. Jahrhundert)

Im Weltgeist zueinander

Es gibt einen, nur einen unfehlbaren Geleiter für uns, den Weltgeist, der uns allesamt und jeden einzelnen durchdringt, der jedem das Streben nach dem eingibt, was sein soll; jenen selben Geist, der im Baum gebietet, zur Sonne hin zu wachsen, der in der Blüte gebietet, im Herbst Samen auszustreuen, und der in uns gebietet, uns unbewußt zueinander zu drängen.

Lew Nikolajewitsch Tolstoi (1828–1910) in seiner Erzählung „Luzern“

Im Herbst Samen ausstreuen

Es gibt einen, nur einen unfehlbaren Geleiter für uns, den Weltgeist, der uns allesamt und jeden einzelnen durchdringt, der jedem das Streben nach dem eingibt, was sein soll; jenen selben Geist, der im Baum gebietet, zur Sonne hin zu wachsen, der in der Blüte gebietet, im Herbst Samen auszustreuen, und der in uns gebietet, uns unbewusst zueinander zu drängen.

Lew Nikolajewitsch Tolstoi (1828–1910) in seiner Erzählung “Luzern”

Unlösbar verbunden

Gott inkarniert sich im Kosmos. Er und seine Inkarnationen sind unlösbar miteinander verbunden. Er ist nicht in seiner Inkarnation, sondern er manifestiert sich als Inkarnation. Er offenbart sich im Baum als Baum, im Tier als Tier, im Menschen als Mensch und im Engel als Engel. Es sind dies also nicht Wesen, neben denen es dann noch einen Gott gäbe, der gleichsam in sie hineinschlüpfte, sondern er ist jedes einzelne dieser Wesen – und ist es auch wieder nicht, da er sich nie in einem von ihnen erschöpft, sondern immer auch alle anderen ist. Eben diese Erfahrung macht der Mystiker. Er erkennt den Kosmos als sinnvolle Manifestation Gottes, während sich manche Menschen dem Kosmos gegenüber verhalten wie Analphabeten gegenüber einem Gedicht: Sie zählen die einzelnen Zeichen und Worte, aber sie sind nicht imstande den Sinn zu verstehen, der dem ganzen Gedicht seine Gestalt gibt.

Willigis Jäger (* 1925)