Rilke: Lyrik und Mystik / Doing Nothing – 24. November 2019 – Herzliche Einladung

„Es wechseln immer wieder drei Generationen. Eine findet den Gott, die zweite wölbt den engen Tempel über ihn und fesselt ihn so, und die dritte verarmt und holt Stein um Stein aus dem Gottesbau, um damit notdürftig kärgliche Hütten zu bauen. Und dann kommt eine, die den Gott wieder suchen muss.“
Rilke 1898 in seinem „Florenzer Tagebuch“

 

Rainer Maria Rilke (1875 – 1926) ist der wortmächtige Vermittler zwischen den Dingen und dem Sein. Seine Dichtung bringt immer neu die tiefsten Dimensionen des Menschen zum Ausdruck. Vieles in seinem Werk ist auf eine ganz eigene Art religiös, und doch ist seine Religion nicht institutionalisiert oder explizit einer Tradition verhaftet.

In einer Festschrift für Willigis Jäger ist zu lesen: “Rilkes Dichtung ist Wort gewordene moderne Mystik“.  Die Erfahrung der Nacht und des Nichts treibt Rainer Maria Rilke oft um. Im Begriff der Leere sind für ihn Einsamkeit und Fremdheit, Verlassenheit und Verzweiflung inbegriffen; und doch auch ein Aufgehoben Sein im Weltinnenraum und Weltall, im Kontakt mit seinem Engel.

Stundenbuch, Christus-Visionen, Marienleben, Buddha-Gedichte, Duineser Elegien…. – Die Spannweite des mystisch-religiösen Empfindens von Rainer Maria Rilke ist in seiner Lyrik nicht immer gleich greifbar. Doch beim Schauen auf den Hintergrund wird sie in der Essenz der Texte nachspürbar.

Dieser mystischen Erfahrung in Rilkes Lyrik wollen wir uns am 24. ab 10.00 h öffnen.

Wer nur Interesse an der Doing Nothing Praxis hat, ist eingeladen erst um 12:30  h zu kommen..

 

Organisatorisches:

Damit wir besser planen können, bitten wir um frühzeitige Anmeldung bei

Werner A. Krebber: Fon / AB: 0209 / 20 56 95  am besten aber über Email: werner.krebber@web.de

Adresse der Veranstaltung: Rolandswerther Str 14  – 50937 Köln  – bei Kaluza/Westmeier klingeln

 

Zum Mystikkreis Köln:

Wir treffen uns etwa ein Mal im Monat im Kölner Stadtteil Sülz, meist am ersten Sonntag des Monats.

An diesen Sonntagen wird für beides Zeit sein – für stilles kontemplatives Sitzen und für das Studieren mystischer Texte & Themen sowie den gemeinsamen Austausch.

 

Der private Kurs ist auf 12 Teilnehmer beschränkt. Kostenbeitrag für den ganzen Tag: 15,– Euro (+ ein freiwilliger Obolus für den Mittagstisch).

Kostenbeitrag nur f ür den Nachmittag: 10,– Euro.

 

Wir freuen uns auf Euer / Ihr Kommen:

Rani doingnothing.de

und Werner mystikaktuell.wordpress.com

Informationen und Anmeldungn auch auf facebook: https://www.facebook.com/events/512859749558975/

 

Achtung! Änderung der Reihenfolge!

Im Unterschied zu früheren Terminen wird Rani ausnahmsweise dieses Mal mit „Doing Nothing“ beginnen und am Nachmittag werden wir nach einer kurzen Einführung von Werner Rilkes Lyrik und Mystik lesen und besprechen.

 

Wir atmen miteinander

 

Dag Hammarskjöld Bildquelle: wikimedia / gemeinfrei

 

Gott, du bist lebendig, du bist in mir. Du bist hier, du bist jetzt.
Du bist.
Du bist der Grund meines Seins. Ich lasse los.
Ich sinke und versinke in dir.
Du überflutest mein Wesen. Du nimmst von mir Besitz.
Ich lasse meinen Atem zu diesem Gebet der Unterwerfung unter dich werden.
Mein Atem, mein Ein- und Ausatmen ist Ausdruck meines ganzen Wesens.
Ich tue es für dich
– mit dir – in dir.
Wir atmen miteinander …

Dag Hammarskjöld (1905-1961)

Misstraue niemals deiner Erfahrung

Foto: © wak

Erfahre die Weisheit der Schriften in deiner Seele. Danach kannst du, wenn du willst, räsonieren und deine Erfahrung intellektuell zum Ausdruck bringen. Doch selbst dann misstraue deiner Aussage, aber misstraue niemals deiner Erfahrung.

Aurobindo (1872 – 1950)

FFF: Ein Layout für PC, Tablet und Smartphone

Etwas schwer getan habe ich mich schon, das „alte“ Layout von „mystikaktuell“ zu ändern. Aber ich wollte es dann doch anpassen an die technischen Erfordernisse Richtung Ende 2016. Ein Layout, das für PC, Tablet und Smartphone gleichermaßen funktional ist.

Wie heißt es doch so schön neudeutsch: FFF also „Form follows Function“.

So gilt da wohl auch heute noch der alte Satz von Louis Sullivan (1856 – 1924): „Es ist das Gesetz aller organischen und anorganischen, aller physischen und metaphysischen, aller menschlichen und übermenschlichen Dinge, aller echten Manifestationen des Kopfes, des Herzens und der Seele, dass das Leben in seinem Ausdruck erkennbar ist, dass die Form immer der Funktion folgt.“

Gefunden habe ich dieses Zitat hier: http://www.designtagebuch.de/wiki/form-follows-function/

 

Worte sind Gefäße

Die Voraussetzungen für den Seinsmodus sind Unabhängigkeit, Freiheit und das Vorhandensein kritischer Vernunft. Sein wesentlichstes Merkmal ist die Aktivität, nicht im Sinne von Geschäftigkeit, sondern im Sinne innerer Aktivität, dem produktiven Gebrauch menschlicher Fähigkeiten, Sein heißt, seinen Anlagen, seinen Talenten, dem Reichtum menschlicher Gaben Ausdruck zu verleihen, mit denen jeder – wenn auch in verschiedenem Maß – ausgestattet ist.
Es bedeutet, sich selbst zu erneuern, zu wachsen, sich zu verströmen, zu lieben, das Gefängnis des eigenen isolierten Ichs zu transzendieren, sich zu interessieren, zu geben.
Keines dieser Erlebnisse ist jedoch vollständig in Worten wiederzugeben. Worte sind Gefäße, die wir mit Erlebnissen füllen, doch diese quellen über das Gefäß hinaus. Worte weisen auf Erleben hin, sie sind nicht mit diesem identisch.

Erich Fromm (1900 – 1930)

Alle(r)heiligen

Heilige sind aufgeschlossene Sünder, Menschen, die um ihre eigene Begrenztheit wissen, um ihre Schuld, die aber auf die Barmherzigkeit Gottes setzen und selber barmherzig sind mit anderen Menschen, die es auch nicht schaffen. Diese Menschen leben aus einer großen Sehnsucht, für Gott erreichbar zu sein. Sie überheben sich nicht über andere, sondern greifen ihnen geschwisterlich unter die Arme. Sie sind Beispiele dafür, wie Gottes Kraft in menschlicher Schwachheit zum Ausdruck kommen kann.

Ferdinand Kerstiens (*1933)

Erfahrung des Urgrundes

Spiritualität gehört nicht zu einer Religion, sondern sie ist vielmehr eine Art des Seins, die in verschiedenen Kulturen je einen eigenen Ausdruck findet. Verstehen wir Zen in diesem Sinne als Wegweiser zur formlosen gemeinsamen Basis allen Seins und menschlichen Geistes, weist es über sich selber hinaus. Es geht nicht mehr um diesen Begriff und um die Zen-Lehre, sondern vielmehr um das Eigentliche seines Anliegens, um den letzten Kern der Existenz.

Ein neues Bewusstsein wird nicht mehr rein materiell orientiert sein, sondern viel mehr umfassen, und mit der Realisierung der tiefen Verbindung allen Seins wird es auch einen spirituellen Charakter aufweisen. Die Formen der verschiedenen Religionen müssen sich dabei weder auflösen, noch müssen sich die Religionen weiter bekämpfen, weil die Erkenntnis des gemeinsamen Urgrundes die religiösen Formen transzendiert. Im Austausch zwischen den Religionen geht es damit nicht mehr vorwiegend um einen „interreligiösen Dialog“, sondern vielmehr um die Bewusstwerdung der gemeinsamen Basis allen Geistes. Alle Religionen beschäftigen sich mit dem Unergründlichen – mit der letzten Wirklichkeit – ob dieses nun Gott, Jahwe, Allah, Brahma oder Buddhanatur genannt wird.

Jede Religion umfasst auch eine mystische Schule, die auf spirituelle Erfahrungen ausgerichtet ist – so die christliche Mystik, der Sufismus im Islam, die Kabbala im Judentum, und das Zen im Buddhismus. Sie fördern alle seit je her eine Erfahrung des Urgrundes – in unserer Kultur das „Göttliche“ genannt.

Der Zen-Lehrer Dieter Wartenweiler beim Sangha-Treffen der Glassmann-Lassalle-Linie am 16. Juni 2013 im Lassalle-Haus Edlibach/Zug in einem Impulsreferat zum Thema „Zen und Bewusstsein“

Mehr hier:
http://www.zendo-staefa.ch/Zen-und-Bewusstsein.pdf