Lieben und Gutes tun

Foto: © wak

 

Gott atmet uns
in der Kontemplation ein
und wir müssen dann
ganz in Ihm aufgehen.
Später atmet der Spirit
oder Atem Gottes
uns wieder aus,
damit wir lieben und Gutes tun.

Jan van Ruysbroeck (1293 – 1381)

 

Werbeanzeigen

Spiritualität ist eine Lesekunst

Foto: © wak

Spiritualität ist eine Lesekunst. Es ist die Fähigkeit, das zweite Gesicht der Dinge wahrzunehmen: die Augen Christi in den Augen des Kindes; das Augenzwinkern Gottes im Glanz der Dinge. Nicht Entrissenheit, sondern Anwesenheit und Aufmerksamkeit ist ihre Eigenart. Sie ist keine ungestörte Entweltlichung und Einübung in Leidenschaftslosigkeit. Sie ist lumpig und erotisch, weil sie auf die Straße geht und sieht, was dem Leben geschenkt ist und was ihm angetan wird. Es gibt also einen Vorhof der ausdrücklich religiösen Spiritualität, es ist die Aufmerksamkeit im alltäglichen Leben. Bin ich fähig, wahrzunehmen und zu empfinden. Wie lese ich die Schmerzen der Menschen und wie lasse ich mich von ihnen berühren? Wie gehe ich mit den Dingen des alltäglichen Lebens um? Bin ich fähig, sie als Gaben zu ehren oder bin ich ausschließlich Benutzer und Verfüger der Welt? Ehre ich das Wasser, die Stille, die Nacht, die Tiere, die Luft zum Atmen, oder wähne ich alles für mich und meinen Nutzen? Spiritualität ist gebildete Aufmerksamkeit.

Fulbert Steffensky (*1933)

Den Ort des Herzens finden

Symeon | Bildquelle wikimedia/gemeinfrei

Richte deine leiblichen Augen mitsamt dem ganzen Geist auf die Mitte des Bauches, also auf den Nabel, und zwinge den Atem, der durch die Nase kommt, indem du nicht mehr atmest, wie es beliebt, und versuche im Geiste, in deinem Inneren den Ort des Herzens zu finden.

Symeon der Neue Theologe (966 – 1024)

Sichtbar gewordener Atem des Schöpfers

Foto: © wak

Alles, was existiert, ist verbunden,
hat ein gemeinsames Ziel, einen gemeinsamen Atem.
Pflanzen, Tiere Felsen und Menschen atmen.
Die Erde atmet.
Erdmutter Natur ist der sichtbar
gewordene Atem des Schöpfers.

John Redtail Freesoul (Cheyenne – Arapahoe – Indianer)

Ich atme ein und kehre zurück zu der Insel, die in mir ist

Ich atme ein und kehre zurück
Zu der Insel, die in mir ist.
Da gibt es wunderschöne Bäume,
Da gibt es Wasser, da gibt es Vögel.
Da gibt es Sonnenschein und frische Luft.
Ich atme aus und fühle mich sicher.

Meister Linji (9. Jh. u.Z.)

Lieben und Gutes tun

Gott atmet uns
in der Kontemplation ein
und wir müssen dann
ganz in Ihm aufgehen.
Später atmet
der Spirit oder Atem Gottes
uns wieder aus,
damit wir lieben
und Gutes tun.

Jan van Ruysbroeck (1293 – 1381)