In deinem Innern den Ort des Herzens finden

Symeon | Bildquelle wikimedia/gemeinfrei

Richte deine leiblichen Augen mitsamt dem ganzen Geist auf die Mitte des Bauches, also auf den Nabel, und zwinge den Atem, der durch die Nase kommt, indem du nicht mehr atmest, wie es beliebt, und versuche im Geiste, in deinem Inneren den Ort des Herzens zu finden.

Symeon der Neue Theologe (966 – 1024)

Der Gereifte atmet die Stille

Bild: Archiv

Der Gereifte atmet die Stille, atmet sie ein und atmet sie aus. Der Mensch, von dem Stille ausgeht, weil die Einheit ihm aufging, bekundet den in ihm lebendig gewordenen Urgrund als eine formende und erlösende Kraft. Er wirkt klärend, ordnend und heilend, „ohne zu tun“. Er wirkt formend und erlösend, ganz einfach aus seinem Wesen heraus. So steht am Ende dieser Entwicklung auch nicht die geformte Persönlichkeit, die als in sich geschlossenes Ganzes einen Kosmos gefestigter Werte und Ordnungen in sich selber verkörpert und nach außen hin manifestiert, sondern vielmehr die vollkommen durchlässige Person, durch die hindurch im unendlichen Wandel der Welt der Sinn des Lebens sich kundtut.

Karlfried Graf Dürckheim (1896 – 1988) in: Japan und die Kultur der Stille

Wir huldigen dem Atem des Lebens

 

Wir huldigen dem Atem des Lebens,
denn dieses ganze Universum gehorcht ihm.
Er ist der Herr aller Dinge geworden,
alles hat in ihm seinen Ursprung.

Wir huldigen Dir, Atem des Lebens:
Wir huldigen deinem Tosen:
Wir huldigen Dir, Donner, und Dir, Blitz;
Wir huldigen Dir, o Atem des Lebens,
wenn Du Regen herabgießt.
Wenn donnernd der Atem des Lebens
auf die Pflanzen nieder braust,
empfangen sie Leben;
ein neuer Lebenskeim reift in ihnen.
Zahlreich werden sie geboren.

Als der Atem des Lebens Wasser spendete,
erhoben die Pflanzen ihre Stimme:
„Du hast unser Leben verlängert;
Duft hast Du uns gegeben.“

Wir huldigen Dir beim Einatmen.
Wir huldigen Dir, Lebensatem, beim Ausatmen:
Wir huldigen Dir, wenn Du Dich abwendest;
Wir huldigen Dir, wenn Du Dich uns wieder zukehrst!
Dir gebührt in allem, ja in allem, Huldigung.

Der Atem des Lebens nimmt die Kreaturen als sein Gewand;
Er nimmt sie wie ein Vater seinen geliebten Sohn.
Der Atem des Lebens ist der Weltenherr,
der Herr aller, die atmen,
der Herr von allem, was ohne Atem ist.

O Atem des Lebens, wende Dich nicht ab von mir:
Ich selbst verschmelze mit Dir.
Wie ein Lebenskeim im Wasser:
So umgebe und binde ich Dich in mir, damit ich lebe!

Atharva-Veda XI, 4,1-3;8;10;26 (ca. 1.000 v.u.Z.)

Gefunden habe ich den Text im Blog von Reinhard Kirste: https://an-deutungen.blogspot.com/2016/06/?m=0

Atme in mir du heiliger Geist

 

Darstellung des Augustinus in der römischen Lateranbasilika / wikimedia, gemeinfrei

 

Atme in mir, du heiliger Geist,
dass ich Heiliges denke.

Treibe mich, du heiliger Geist,
dass ich Heiliges tue.

Locke mich, du heiliger Geist,
dass ich Heiliges Liebe.

Stärke mich, du heiliger Geist,
dass ich Heiliges hüte.

Hüte mich, du heiliger Geist,
dass sich das Heilige nimmer verliere.

Augustinus (354 – 430) zugeschrieben

Eintauchen in den Raum des Herzens

Josef Albers: rosa mystica

Dank der Meditation ist es uns möglich mit dem Raum unseres Herzens in Berührung zu bleiben, und das gibt uns die Möglichkeit, auch die grundlegende Gutheit und Schönheit der Menschen, denen wir begegnen, zu erkennen. Wir können atmen und die innere Freude erfahren. Das sind ganz einfache, schöne und alltägliche Synchronizitäten. Dank der regelmäßigen Meditation, dem so wohltuenden Eintauchen in den Raum des Herzens.

Vincenzo Kavod Altepost (*1944)

Mehr hier: Vincenzo Kavod Altepost: Grundlegende Gutheit – Innere Freude. Ein beschenktes Leben. lulu.com, 2017, 344 Seiten, 20 € Mehr hier: https://mystikaktuell.wordpress.com/2018/01/24/grundlegende-gutheit-innere-freude-buchtipp-v/

In die Seligkeit zurückkehren

Foto: © wak

 

Wer könnte denn leben oder atmen, gäbe es nicht diese Seins-Seligkeit als den Äther, in dem wir wohnen? Aus der Seligkeit sind alle diese Wesen geboren, durch Seligkeit existieren und wachsen sie, in die Seligkeit kehren sie zurück.

Taittiriya Upanishad, II.7., III.6.

Die wahren Menschen atmeten Yin und Yang

Yin und Yang – Quelle: wikimedia/gemeinfrei

 

In grauer Vorzeit atmeten die Wahren Menschen Yin und Yang. Alle Wesen schauten zu ihrer Tugend auf und fanden sich so in friedlicher Harmonie. In diesen Zeiten wirkten die Führer im verborgenen und schufen spontan reine Schlichtheit. Reine Schlichtheit war noch nicht verlorengegangen, und so waren die Zehntausend Wesen frei und ungezwungen.

Aus dem taoistischen Buch „Wen-tzu“, Kapitel 172

Mehr zu Wu Wei und Taoismus hier: https://mystikaktuell.wordpress.com/2019/03/16/wu-wei-nicht-handeln-und-den-geschehnissen-ihren-lauf-lassen-5-mai-im-mystikkreis-koeln/

Lieben und Gutes tun

Foto: © wak

 

Gott atmet uns
in der Kontemplation ein
und wir müssen dann
ganz in Ihm aufgehen.
Später atmet der Spirit
oder Atem Gottes
uns wieder aus,
damit wir lieben und Gutes tun.

Jan van Ruysbroeck (1293 – 1381)