Finde angehaltenen Atems deinen Stand im Selbst

Ramana Maharshi | Bild Archiv

Mitten in der Höhle des Herzens
leuchtet allein das reine Unbedingte (brahman)
als ICH-ICH offenbar in Gestalt des Selbst (atman).

Lass dein Gemüt sich selbst erforschen
und im Herzen untertauchen
und finde angehaltenen Atems
deinen Stand im Selbst.

Heinrich Zimmer: Der Weg zu Selbst. Lehre und Leben des Shri Ramana Maharshi. Kreuzlingen/München, 9. Aufl. 2001. S. 55

Jacob Böhme: Einatmen ausatmen

Johannes Itten, Spruch von Jacob Böhme: Einatmen, ausatmen, 1922

 

Du Pendel der Welt
Einatmen Ausatmen
So schwinge du hin so schwinge du her
Du Atem der Engel so brenne und glühe
Vermehre Verstärke
Die Seele der Welt
Du Atem der Engel im Herzen werde menschlich
Bleib ewig wenn auch noch im Menschen begrenzt
Zum Herzen vom Herzen
Einatmen Ausatmen
So schwinge du ewig du Pendel der Welt

Jacob Böhme (1575 – 1624)

 

MAGISCHE BLÄTTER BUCH IV
CI. JAHRGANG WINTER 2020 / 2021
4. Quartalsausgabe November, Dezember, Januar
gebunden

HEFT 10 | November 2020
TITELTHEMA: JACOB BÖHME

https://verlagmagischeblaetter.eu/monatsschrift/magische-blaetter

Bestellt werden können die Magischen Blätter hier: kontakt@verlagmagischeblaetter.eu

Geistige Trübungen beseitigen

Foto: © wak

Gehmeditation ist förderlich für eine spirituelle Entwicklung. Sie ist so mächtig, wie Achtsamkeit auf den Atem, oder Achtsamkeit auf das Heben und Senken des Unterleibes. Es ist ein effizientes Mittel, um zu helfen, die geistigen Trübungen zu beseitigen. Gehmeditation kann uns helfen, Einsicht in die Natur der Dinge zu gewinnen und wir sollten es so eifrig wie Sitzmeditation, oder jede andere Art der Meditation, üben.

Sayadaw U. Silananda (1927 – 2005)

 

Verbindung zu deinem Herzen

Foto: © wak

Die Praxis des Sitzens in Meditation … ist das Mittel, mit dem wir das Gutsein wiederentdecken und überdies das lautere Herz in uns erwecken können. In dieser Haltung bist du dieser nackte Mensch, der zwischen Himmel und Erde sitzt. Wenn dein Rücken einsinkt, versucht du dein Herz zu schützen oder gar zu verbergen. Aber wenn du aufrecht und trotzdem entspannt sitzt, dann ist dein Herz nackt. Dein ganzes Sein ist bloßgelegt, vor allem vor dir selbst, aber auch vor anderen. Beim stillen Sitzen, in dem du dem Atem folgst, wie er ausströmt und verfliegt, stellst du die Verbindung zu deinem Herzen her.

Chögyam Trungpa (1939-1987)

Finde Dich selbst im Herzen

Foto: privat

Wenn Du Dir erlaubst, ruhig zu werden, wenn Du Dich auf Deinen Atem einlässt, dann findest Du Dich selbst im Herzen.
Gewöhnst Du Dich an diese Praxis, dann kannst Du einfach auf Deiner Meditationsmatte sitzen und in Dein eigenes Herz hineingehen, in das feinstoffliche Herz, den innersten Kern Deines Seins.

Gurumayi Chidvilasananda (*1955)

Gefunden habe ich das Zitat hier: Vincenzo Kavod Altepost: Grundlegende Gutheit – Innere Freude. Ein beschenktes Leben. lulu.com, 2017, 344 Seiten, 20 € Mehr hier: https://mystikaktuell.wordpress.com/2018/01/24/grundlegende-gutheit-innere-freude-buchtipp-v/

Du bist der Herzknoten mir

Fotographik © wak

 

In meinem Herzen kreisen
alle Gedanken um Dich,
nichts anderes spricht die Zunge
als meine Liebe zu Dir.

Wenn ich nach Osten mich wende,
strahlst Du im Osten mir auf.
Wenn ich nach Westen mich wende,
stehst vor den Augen Du mir.

Wenn ich nach oben mich wende,
bist Du noch höher als dies.
Wenn ich nach unten mich wende,
bist Du das Überall hier.

Du bist, der allem den Ort gibt,
aber Du bist nicht sein Ort.
Du bist in allem das Ganze,
doch nicht vergänglich wie wir.

Du bist mein Herz, mein Gewissen,
bist mein Gedanke, mein Geist,
Du bist der Rhythmus des Atems,
du bist der Herzknoten mir.

Husain ibn Mansur al-Halladsch (857-913)

Vergangenheit und Zukunft

wikimedia / gemeinfrei

Vergangenheit und Zukunft
verschleiern Gott vor unseren Augen.
Verbrenne sie beide.

Wie lange lässt du dich noch
wie ein Schilfrohr in Abschnitte teilen?
Solange das Rohr geteilt bleibt,
wird es nicht in Geheimnisse eingeweiht
und antwortet nicht
mit hellen Tönen
auf die Kunst von Lippe und Atem

Rumi (1207 – 1273)

Kosmische Liebe als Vermittler

Foto: © wak

 

Wir spüren Gott überall,
wie den Atem.
Wir intensivieren ihn um uns herum,
indem wir die Welt vergeistigen.
Wir können also im Herzen des Universums Gott betasten.
Die kosmische Liebe kann als Vermittler dienen,
um die personale Liebe zu vergöttlichen.
Sie ist ein privilegierter Punkt
der Vergöttlichung der Gefühle.

Teilhard de Chardin (1881 – 1955)

Den letzten Schritt tut Gott allein…

Foto: © wak

Was Aufwachen letztlich geschehen ließ, war Gnade und nicht mein Verdienst, nicht „der Lohn meiner Arbeit”. Du fragst nun: „Was ist Gnade?” Gnade ist überall. Gnade ist wie der Atem Gottes. Nur haben wir vor die Gnade Stellwände gestellt, haben uns mit Ideen umgeben, uns in unserer kleinen Welt mit ihren klaren Strukturen von richtig und falsch eingerichtet. Wir haben uns mit Zielen und Wünschen möbliert. Da war kein Platz mehr für die Gnade, kein Platz mehr für den Atem Gottes. Alles was wir tun können, ist Platz zu schaffen, und dennoch ist es dann Gnade, die geschieht. Wenn die Stellwände weggeräumt sind, muss nur noch der verschwinden, der sie weggeräumt hat. Und dann ist der Weg frei für die Gnade, dann ist nur noch Gnade da, und plötzlich siehst du, dass nie etwas anderes da war. Dann ist die Tür offen für Gott, für Wahrheit, für Freiheit. Die Gnade ist es dann, die wirkt, die erkennen lässt, denn du bist nicht mehr da. In den Armen des Geliebten liegst du aufgelöst und bist nicht mehr da. Wenn jemand sagen würde, er hätte ES erreicht, wenn jemand prahlen würde, er hätte ES durch seine Anstrengung verdient, so müsste ich ihn fragen: „Wer, wer hat ES erreicht? Wer, wer hat ES verdient? Ist denn da irgend jemand, der verdienen, der sich mühen könnte? Und falls da vielleicht mal einer war, ist denn der jetzt noch da, bist du noch da, ist der noch da, der sich da mühte? Und wenn nein, was hatte der dann von den Mühen, was war sein Gewinn? Und wenn ja, was hast du dann erreicht?” So muss es also Gnade sein, die da geschieht. Den letzten Schritt tut Gott allein, denn du bist nicht mehr da.

Pyar Rauch (*1960)

 

Lächeln Atmen Schreiten

Foto: © wak

Mit dem Schreiten der Menschen tritt
Gottes Anmut und Wandel aus allen Herzen und Toren.
Lächeln, Atem und Schritt
Sind mehr als des Lichtes, des Windes und der Sterne Bahn:
Die Welt fängt im Menschen an.

Franz Werfel (1890 – 1945) in seinem Gedicht: Lächeln Atmen Schreiten