Heilung und Solidarität: Tucum-Ringe aus Brasilien

tucumringeBearbeiteter Screenshot von Tucum-Ringen aus der u.a. Homepage

Vor ein paar Tagen habe ich ihn mir wieder an die Hand gesteckt. Mein Tucum-Ring begleitet mich allerdings gedanklich bereits seit einigen Jahren. In Mellatz bei den Comboni-Missionaren war ich darauf aufmerksam geworden.

„Der Tucum-Ring wird aus den Nüssen der Tucum-Palme hergestellt. Diese Palmenart ist vor allem im Amazonasgebiet und in den ärmsten brasilianischen Bundesstaaten Maranhao und Piaui zu Hause. Sie erreicht eine Höhe von 10–12 m. Im Nordosten gilt sie als Symbol des Durchhaltens während der Trockenzeiten. Aus den festen Fasern der Palmblätter werden Fischernetze, Stricke und Hängematten angefertigt. Neben dem immergrünen Blattwerk bringt die Tucum-Palme große Trauben von schmackhaften Nüssen hervor. Sie haben einen tropisch frischen Geschmack und besitzen einen hohen Ölgehalt.

Die Tupi-Indianer im Amazonasgebiet beeindruckt die außerordentliche Überlebenskraft der Tucum-Palme. Sie verarbeiten die harte Schale der kleinen Kokosnüsse zu Ringen und stecken sie in der Hoffnung auf Genesung den Kranken an die Finger.“

So lese ich es auf der Seite der „interfranziskanischen Arbeitsgemeinschaft“ (siehe unten).

„Anliegen ist es…, dass mit der Verbreitung der Tucum-Ringe als Zeichen der Solidarität mit den Armen sich immer mehr Menschen für eine bessere und gerechtere Welt einsetzen.“ Heißt es auf der Homepage der Franziskaner. Und:

„Der Tucum-Ring wird so zum Heilungsring einer kranken Gesellschaft, die unter sozialen Ungerechtigkeiten und zahlreichen Formen von Unterdrückung und Diskriminierung leidet.

Das Tragen des Tucum-Ringes hier in Deutschland drückt unsere Verbundenheit und Solidarität mit den Armen und Unterdrückten in Brasilien und weltweit aus.“

Ein Aspekt, der auch die Fussballweltmeisterschaft in Brasilien überdauern sollte.

Mehr hier:

http://www.infag.de/seiten/doku.php/spiritualitaet_zeichen_und_symbole_ring

Mitgefühl

Mitgefühl ist niemals wahres Mitgefühl, wenn es nicht aktiv wird. Avalokiteshvara, der Buddha des Mitgefühls, wird in der tibetischen Ikonographie häufig mit tausend Augen abgebildet, die das Leid in allen Winkeln des Universums erkennen, und mit tausend Armen, die seine Hilfe überallhin bringen.

Sogyal Rinpoche (*1948)

Gnade geschieht

Was Aufwachen letztlich geschehen ließ, war Gnade und nicht mein Verdienst, nicht „der Lohn meiner Arbeit”. Du fragst nun: „Was ist Gnade?” Gnade ist überall. Gnade ist wie der Atem Gottes. Nur haben wir vor die Gnade Stellwände gestellt, haben uns mit Ideen umgeben, uns in unserer kleinen Welt mit ihren klaren Strukturen von richtig und falsch eingerichtet. Wir haben uns mit Zielen und Wünschen möbliert. Da war kein Platz mehr für die Gnade, kein Platz mehr für den Atem Gottes. Alles was wir tun können, ist Platz zu schaffen, und dennoch ist es dann Gnade, die geschieht. Wenn die Stellwände weggeräumt sind, muss nur noch der verschwinden, der sie weggeräumt hat. Und dann ist der Weg frei für die Gnade, dann ist nur noch Gnade da, und plötzlich siehst du, dass nie etwas anderes da war. Dann ist die Tür offen für Gott, für Wahrheit, für Freiheit. Die Gnade ist es dann, die wirkt, die erkennen lässt, denn du bist nicht mehr da. In den Armen des Geliebten liegst du aufgelöst und bist nicht mehr da. Wenn jemand sagen würde, er hätte ES erreicht, wenn jemand prahlen würde, er hätte ES durch seine Anstrengung verdient, so müsste ich ihn fragen: „Wer, wer hat ES erreicht? Wer, wer hat ES verdient? Ist denn da irgend jemand, der verdienen, der sich mühen könnte? Und falls da vielleicht mal einer war, ist denn der jetzt noch da, bist du noch da, ist der noch da, der sich da mühte? Und wenn nein, was hatte der dann von den Mühen, was war sein Gewinn? Und wenn ja, was hast du dann erreicht?” So muss es also Gnade sein, die da geschieht. Den letzten Schritt tut Gott allein, denn du bist nicht mehr da.

Pyar Rauch (*1960)

Der Geist des Herrn lässt sich nieder

Im Buch Jesaja (11,2) schreibt der Prophet bei seiner Ankündigung des messianischen Reiches:

„Der Geist des Herrn lässt sich nieder auf ihm:
der Geist der Weisheit und der Einsicht,
der Geist des Rates und der Stärke,
der Geist der Erkenntnis und der Gottesfurcht.“

Als Handeln Gottes folgt daraus:
„Er richtet die Hilflosen gerecht und entscheides für die Armen des Landes, … Gerechtigkeit ist der Gürtel um seine Hüften… Dann wohnt der Wolf beim Lamm, der Panther liegt beim Böcklein…“
Fast beschwörend hat Hrabanus Maurus (776-856) diesen Geist hunderte Jahre später erneut angerufen:

„Veni, creator spiritus.“ – „Komm, Heil´ger Geist der Leben schafft …“

Reiche und Arme

Die Nächsten bei dem Throne Gottes, des Gepriesenen und Erhabenen, sind die Reichen, die als Arme wandeln und die Armen, die als Reiche handeln; der Größte unter den Reichen ist der, welcher den Kummer der Armen versteht, und der Beste unter den Armen ist der, welcher der Reichen Erbarmen nicht anfleht; denn Gott der Allmächtige hat gesagt: »Wer auf Gott vertraut, dem ist Gott genug.«

Mosleh o’d-Din Sa’di (1200–1290)

Zum 11. September 2011

Als Jesus die vielen Menschen sah, stieg er auf einen Berg. Er setzte sich, und seine Jünger traten zu ihm. Dann begann er zu reden und lehrte sie.
Er sagte:

Selig, die Armen im Geiste; denn ihnen gehört das Himmelreich.
Selig die Trauernden; denn sie werden getröstet werden.
Selig, die keine Gewalt anwenden; denn sie werden das Land erben.
Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit; denn sie werden satt werden.
Selig die Barmherzigen; denn sie werden Erbarmen finden.
Selig, die ein reines Herz haben; denn sie werden Gott schauen.
Selig, die Frieden stiften; denn sie werden Töchter und Söhne Gottes genannt werden.
Selig, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn ihnen gehört das Himmelreich.
Selig seid ihr, wenn ihr um meinetwillen beschimpft und verfolgt und auf alle mögliche Weise verleumdet werdet.
Freut euch und jubelt: Euer Lohn im Himmel wird groß sein. Denn so wurden schon vor euch die Propheten verfolgt.

Matthäus 5,3-12

Eine graphische und musikalische Aufbereitung der Seligpreisungen findet sich hier:  http://www.e-water.net/beatitudes_de.html

 

P.S. Genau vor einem Jahr erschien das Editorial, also der erste Beitrag von „mystikaktuell“; zur Erinnerung: https://mystikaktuell.wordpress.com/category/editorial/