Die zwei geistlichen Füße des Mystikers

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Der Mystiker nimmt in bildlicher Vorstellung an, er habe zwei geistliche Füße: den begreifenden Verstand und den liebenden Affekt. Es ist notwendig, auf beiden vorwärtszuschreiten, damit man die geheimen Wege der Beschauung glücklich bis ans Ende zu begehen vermag. Denn der Intellekt hinkt ohne den liebenden Affekt und käme nicht rüstig voran; die Liebesneigung ohne den Verstand aber ist blind; sie fände den Weg nicht und müsste sich verirren.

Hendrik Herp / Harphius (ca. 1400/1410 – 1477/1478) in seiner „Theologia mystica“

In Verbindung mit dem eigenen Herzen sein

Jeder gleicht einer Person, die inmitten eines großen Ozeans in einem kleinen Boot rudert und den Stürmen zahlreicher und meist gegensätzlicher Stimmungen ausgesetzt ist. Die Wellen der Stimmungen branden von allen Seiten an uns heran und setzen unser Dasein aufs Spiel. Wir kennen das auch unter dem Begriff Himmelhochjauchzend-Zu-Tode-betrübt.

Wer dahin kommt, sein Herz zu durchdringen, in steter Verbindung mit dem eigenen Herzen zu sein lässt ein Dasein des Hin-und Hergetrieben Seins hinter sich.

Es tut sich eine ganz andere Welt auf. Eine Welt der inneren Ruhe eröffnet sich, in der aggressive und haltlose Emotionen und Affekte, die von allen möglichen Ereignissen ausgelöst werden können, keinen Platz mehr haben. Dies kennzeichnet den Eigner des Herzens.

Aus dem Kapitel „Das Geheimnis der Rhythmen“ des Buches „Flammendes Herz – Einführung in die Herz-Meditation“ von Dr. Seyed M. Azmayesh (*1952)