Abgeschiedenheit und inneres Schweigen

Foto: © wak

Es hat keinen Sinn, über Gott und die Liebe zu sprechen, wenn Menschen nicht in der Lage sind, zu hören.
Die Ohren, mit denen jemand die Botschaft des Evangeliums hört, sind im menschlichen Herzen verborgen. Diese Ohren hören nichts, solange ihnen keine Abgeschiedenheit und kein inneres Schweigen zuteil werden.

Thomas Merton (1915 – 1968) in „Thoughts in Solitude“

Werbeanzeigen

Gott ist ein Wort, ein ungesprochenes Wort

Wenn ich predige, dann pflege ich von vier Dingen zu sprechen. Erstens von Abgeschiedenheit und daß der Mensch frei und ledig sein muß – von sich selbst und von allen Dingen. Zweitens pflege ich davon zu sprechen, daß man wieder hineingebildet und zurückgeformt werden soll in das einzige und einfältige, wahrhaft eine Gut, das Gott ist. Zum dritten sage ich, daß man die große Edelkeit und den Adel bedenken muß, den Gott der Seele mitgeteilt hat, damit der Mensch mit diesem Adel wieder in einem Wunder zu Gott zurückgelangt. Viertens spreche ich von der Lauterkeit, Reinheit und Klarheit der göttlichen Natur – welche Klarheit und Reinheit die göttliche Natur besitzt, das ist unaussprechlich. Gott ist ein Wort, ein ungesprochenes Wort.

Meister Eckhart (1260 – 1328)

Mehr dazu hier: http://www.eckhart.de/index.htm?loeser.htm

Ins Herz eingraviert

In der Abgeschiedenheit
des Gedankens an den Tod,
der in sein Herz eingraviert ist,
steckt der Einsiedler – den Anhaftungen überdrüssig –
die Grenzen seiner Einkehr ab,
entsagt den Zerstreuungen dieses Lebens
und kommt nicht mit
mit den „acht weltlichen Belangen“ in Kontakt.

Gyalwa Yangonpa (1213 – 1287)

Jenseits intellektuellen Begreifens

Äußerlich steht der Mystiker mitten im praktischen Leben, innerlich bleibt er jedoch frei – sein Geist ist über den Dingen, nicht in den Dingen. Diesen Zustand völliger Losgelöstheit von allem Weltlichen hat Meister Eckhart mit Worten wie “Gelassenheit”, “Abgeschiedenheit”, “Leerheit” beschrieben. … Im Verlauf des mystischen Weges dringen wir in eine Region unseres Seelenlebens ein, die völlig frei von weltlichen Bildern, unerschaffen und unzerstörbar, ewig und göttlich ist. Diese Seelenregion liegt jenseits allen intellektuellen Begreifens, auch jenseits von Raum und Zeit; sie ist unser “stilles Kämmerlein”, das “Seelenfünklein”, das “Bürglein der Seele”, der “Seelengrunde”. Auf dieses Ewige im Menschen, auf seinen göttlichen Geistkern, will Meister Eckhart immer wieder hinweisen.
Manfred Ehmer, Die Weisheit des Westens. Mensch, Mythos und Geschichte, Düsseldorf 1998, S. 191

Formlos und ohne allen Zustand

Ein Meister, namens Avicenna spricht: Die Stufe des Geistes, der abgeschieden ist, ist so hoch, das alles, was er schaut, wahr ist, und was er begehrt, wird ihm gewährt, und wo er gebietet, da muss man ihm gehorsam sein. Und ihr sollt das fürwahr wissen: wenn der freie Geist in rechter Abgeschiedenheit steht, so zwingt er Gott zu seinem Wesen; und könnte er formlos und ohne allen Zustand sein, so nähme er Gottes Eigenschaft an. Das kann aber Gott niemandem geben als sich selbst; daher kann Gott dem abgeschiedenen Geiste nicht mehr tun, als dass er sich ihm selbst gibt.

Meister Eckhart (1260 – 1328)