Herz und Geist verbinden

Der junge Jiddu Krishnamurti / wikimedia-gemeinfrei

 

Der Geist kann in sich selbst niemals still sein; er ist nur innerhalb des weiten Raumes still, den das Denken nicht erreichen kann. Aus diesem Schweigen erwächst eine Handlung, die mit dem Denken nichts zu tun hat.

Dieses Schweigen ist Meditation. Meditation gehört zu den ungewöhnlichsten Dingen und wenn Du nicht weißt, was sie zu bedeuten hat, bist Du wie ein blinder Mensch in einer Welt leuchtender Farben mit ihrem Wechselspiel von Licht und Schatten. Sie ist keine Sache des Intellekts, wenn sich aber Herz und Geist verbünden, dann wird der Mensch ein völlig anderer. Er ist dann wirklich grenzenlos, nicht nur in seiner Fähigkeit zu denken und wirksam zu handeln, sondern sein Lebensgefühl umfasst einen unendlichen Raum, in dem er Teil eines jeglichen Dinges ist.

Jiddu Krishnamurti über Meditation (1895 – 1986)

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Gott gebe mir die Gelassenheit…

 

Foto: privat

 

Gott gebe mir
die Gelassenheit,
Dinge hinzunehmen,
die ich nicht ändern kann,
den Mut,
Dinge zu ändern,
die ich ändern kann,
und die Weisheit,
das eine vom anderen zu unterscheiden.

 

Mehr zur Geschichte des Gelassenheitsgebetes und seinem vollständigen Text hier: http://www.wlb-stuttgart.de/sammlungen/handschriften/bestand/nachlaesse-und-autographen/oetinger-archiv/gelassenheitsgebet/

Ich bin das Licht das über allen ist / Thomas-Evangelium und Doing Nothing am 4. August im Mystikkreis Köln / Herzliche Einladung

Beginn des Thomas-Evangeliums / Wikimedia, gemeinfrei

 

Ich bin das Licht, das über ihnen allen ist.
Ich bin das All, das All ist aus mir hervorgegangen,
und das All ist bis zu mir ausgedehnt.
Spaltet ein Holz, ich bin da.
Hebt den Stein auf, und ihr werdet mich dort finden.
Jesus-Wort im Thomas-Evangelium
Geheimnisse umgeben das Thomas-Evangelium, eine Schrift des ganz frühen Christentums, das auch als „Fünftes Evangelium“ bezeichnet wird. Enthält es verborgene Wahrheiten, die nur für Eingeweihte zu entschlüsseln sind? Ist es häretisch, ketzerisch und deshalb nicht in den Kanon der Evangelien aufgenommen worden? Stehen die 114 Worte Jesu in einem gnostischen, von der Erkenntnis bestimmten Hintergrund? Jedenfalls erscheint der Text auch heute noch ebenso rätselhaft wie faszinierend. Denn manche der Koan-artigen Worte erscheinen so, als würde Jesus, der Meister aus Galiläa, ganz direkt zu uns sprechen. Zitiert wird das „Evangelium des Thomas“ zwar schon im dritten Jahrhundert, doch dann fiel es lange in Vergessenheit, bis es 1945 neu entdeckt wurde.
 
Am 4. August wollen wir neu erspüren, was die Worte Jesu uns heute sagen können.
 
 
Organisatorisches:
 
Damit wir besser planen können, bitten wir um frühzeitige Anmeldung bei
Rani Kaluza: Tel: 0221 2406997/ eMail: weissefeder@netcologne.de
 
Vielen Dank!
 
Zum Mystikkreis Köln:
Wir treffen uns etwa ein Mal im Monat im Kölner Stadtteil Sülz, meist am ersten Sonntag des Monats. An diesen Sonntagen wird für beides Zeit sein – für stilles kontemplatives Sitzen und für das Studieren mystischer Texte & Themen sowie den gemeinsamen Austausch.
Der private Kurs ist auf 12 Teilnehmer beschränkt. Kostenbeitrag für den ganzen Tag: 15,– Euro (+ ein freiwilliger Obolus für den Mittagstisch). Kostenbeitrag nur für den Nachmittag: 10,– Euro.
Diejenigen, die sich nur für die Praxis des „Nichts Tuns“ interessieren, sind eingeladen, erst zum Praxisteil um 12:30 dazu zu kommen.
 
Wir freuen uns auf Euer / Ihr Kommen:
Rani und Werner
 

 

Herzen mit Worten erweitern

Foto: © wak

„Im Anfang war das Wort…“ – so beginnt das Johannes-Evangelium des Neuen Testaments. Für den Apostel Johannes sind Wort und Gott untrennbar miteinander verbunden. „Sprich nur ein Wort, so wird meine Seele gesund“, heißt es in der katholischen Messfeier. In den verschiedenen Weltspiritualitäten hat sich die mentale Kraft heilender Worte immer wieder neu manifestiert. Doch was für Worte sind es, die Vorboten der Heilung werden können? Welche Worte haben jene so eindringliche Initialwirkung, dem Menschen neue Wege aufzuzeigen, ihn zu Heil und Heilung zu führen?

Worte, die heilen können, haben oft mit dem zu tun, was als Gebet bekannt ist. Das Wort stammt von dem althochdeutschen „gibet“ und bedeutet Bitte. Gebete können Lobpreisung ebenso formulieren wie Bitte, Buße oder Dank. Für uns heute sind wohl vor allem jene Gebete wichtig, die eine Beziehung zur eigenen Mitte und über diesen Weg zu Gott suchen – also das „innere Gebet“. Auf seiner meditativen Grundlage findet sich hier eine große Nähe zu der in den östlichen Religionen geübten Meditationspraxis.

Worte, die helfen
Meine Erinnerungen an Bitte und Beten sind eng mit der katholischen Liturgie verbunden. Nach der Wandlung von Brot und Wein in Leib und Blut Christi lädt der Priester dort die Gläubigen zur Kommunion ein, die darauf unter anderem antworten: „…aber sprich nur ein Wort, so wird meine Seele gesund“. Ich erinnere mich auch an ein Treffen mit einem Theologen. Der berichtete von einem Gespräch, das er mit einem Mann geführt hatte, der ihm von seinen Problemen berichtete. Am Ende des Gesprächs sagte der Mann zu dem Geistlichen: “Sie haben mir sehr geholfen.” Gesagt hatte der Theologe ihm allerdings nichts, er hatte ihm keinen Rat erteilt oder ähnliches. Aber er hatte der Not des Mannes zugehört – er hatte ihm den nötigen Raum gewährt, damit dieser seinen Schmerz in seinen eigenen Worten ausdrücken kann. Ganz nach der Erfahrung von Selbsthilfegruppen: „Wer nicht spricht, zerbricht.“

„Wir sind, was wir denken…“
Gerade in der westlichen Kultur sind die Menschen außerordentlich kopflastig. Sie haben damit allerdings auch eine enorme Chance. Clemens Kuby, unter anderem Regisseur des Filmes „Unterwegs in die nächste Dimension“ weist auf eine wichtige Voraussetzung dafür hin, Vertrauen in jene Worte zu entwickeln, die es vermögen, weiter zu helfen: „Die wichtigste Eigenschaft des Gehirns ist es, die eigene Wirklichkeit zu erschaffen. Dafür nimmt es über 90 Prozent der Informationen aus dem eigenen Fundus und nicht über die Sinnesorgane von außen auf. Also muss das, was für wahr gehalten wird, bei jedem etwas anderes sein. Das Gehirn weist den an sich bedeutungsfreien neuronalen Prozessen die Bedeutung erst zu.“ Ganz so, wie es im Dhammapada von Buddha überliefert ist:

Wir sind, was wir denken.
Alles, was wir sind, entsteht mit unserem Denken,
mit unseren Gedanken erschaffen wir die Welt.

Sprich und handle mit unreinem Geist, und Ungemach wird dir folgen.
Wie das Rad dem Ochsen folgt, der den Karren zieht.

Wir sind, was wir denken. Alles, was wir sind, entsteht mit unserem Denken,
mit unseren Gedanken erschaffen wir die Welt.

Sprich oder handle mit reinem Geist, und Beglücktheit wird dir folgen,
wie dein Schatten, unerschütterlich.

 

Die Kraft der Worte
Johannes der Täufer – auch Johannes der Vorläufer genannt – hat auf dem Isenheimer Altar von Matthias Grünewald einen übergroß scheinenden Finger, der auf den Mond zeigt. Er ist Wegweiser und Vorläufer dafür, die größere und tiefere Wirklichkeit erkennen zu lassen: die Göttlichkeit des Menschen Jesus und damit unsere eigene Gotteswirklichkeit, die beispielsweise in der Mystik immer wieder hervorgehoben wird. Aber unsere Zweifel, die immer wieder aufkommen, verstellen den Blick auf diese innere Wahrheit, da unsere Neigung mitunter allzu gering ist, der Kraft der Worte zu vertrauen.

Eine ungewöhnliche Visualisierung, die der japanische Forscher Masaru Emoto vorgenommen hat, kann diese Zweifel vielleicht verringern. Emoto machte die Wirkung von Worten auf Wasser mit Hilfe von Photographien sichtbar. Er ist hergegangen und hat die geometrische Struktur des Wassers als Kristall, bei minus 30°C unter dem Mikroskop fotografiert. Dabei fand er Erstaunliches heraus: „Durch die Art und Weise, wie das Wasser auf unsere Worte reagiert, lernen wir etwas über uns selbst und die Wirkung, die unsere Worte haben.“ Konkret heißt das nach seinen Erkenntnissen: „Wenn ich ein Schild auf eine Wasserflasche klebe, und auf das Schild schreibe ich ein durch und durch positives Wort wie ‚Dankbarkeit‘, dann bildet das Wasser einen schönen Kristall. Schreibe ich ‚Idiot‘ drauf, kommt ein mickriger, hässlicher Kristall heraus. Ich habe beide Worte auf ein Schild geschrieben und erwartet, dass sich das Positive und das Negative gegenseitig aufheben. Aber es kam trotzdem ein schöner Kristall heraus.“

Auch am Institut für Statik und Dynamik der Luft- und Raumfahrtkonstruktionen (ISD) der Universität Stuttgart wird seit einigen Jahren an der Informationsübertragung im Wasser geforscht. Hier war den Wissenschaftlern aufgefallen, dass sich schwache Feldwirkungen, die mit üblichen Messmethoden sonst nicht feststellbar sind, im Wasser abbilden und unter dem Mikroskop betrachtet und dokumentiert werden können.

Die Kraft des Gebets
Der Einfluss von positiv wirkenden Worten kann aber nicht nur vermutet, sondern auch bewiesen werden. Dies haben Forscher um Luciano Bernardi verifiziert, indem sie Versuchsgruppen mit unterschiedlichen Gebeten untersuchten. Sie haben die Wirkung des lateinisch gesprochenen Rosenkranzes und die Rezitation von Mantren bei Patienten überprüft, die an Herzproblemen litten. Ihr Ergebnis zeigte, dass beide Gebetsübungen bei den Patienten hervorragende psychische wie physische Effekte mit sich brachten, und sich das Wohlbefinden verbesserte.

Bestätigt werden damit auch Untersuchungen wie jene, die 1999 in der amerikanischen Zeitschrift „Demography“ veröffentlicht wurden. Die dort publizierte repräsentative Studie hatte 204 Personen neun Jahre lang begleitet. Das Ergebnis war, dass 20-jährige US-Amerikaner eine um gut sechseinhalb Jahre höhere Lebenserwartung haben, wenn sie „einmal pro Woche zur Kirche, Synagoge oder Moschee gehen“.

Der Religionspsychologe Bernhard Grom ist deshalb der Frage nachgegangen, ob „Gebet, Meditation und Gottesdienst innerhalb des Immunsystems die Produktion von Abwehrkräften fördern“ können. Seine Antwort klingt plausibel: „Die ‚Kraft des Gebets‘ liegt vermutlich nicht darin, dass es irgendwelche ‚Heilungskräfte‘ mobilisiert, sondern dass es gesundheitsschädigenden Stress mindert; nicht darin, dass es das Immunsystem anregt, sondern darin, dass es das Immunsystem schont – und damit Erkrankungen eher verhindert und Heilungsprozesse entstört.“ Seiner Meinung nach ist diese „stresstheoretische Erklärung“ jene, die den gemachten Beobachtungen sowie dem heutigen medizinischen Wissen am besten gerecht wird: „Starke emotionale Belastungen, ‚psychischer Stress’, wie er aus Verlusterfahrungen, Zukunftsängsten, Ärger und Enttäuschungen entsteht, löst oft körperlichen Stress aus, der längerfristig sowohl die Gefahr von Thrombosen und Herzinfarkten als auch da Risiko von Infektionen und Krebserkrankungen steigert. Nun können religiös motivierte Bewältigungsformen die emotionalen Belastungen verringern, abpuffern und damit eine Ursache von krankheitsförderndem Stress verringern. Der Glaube kann dazu einladen, sich wegen Misserfolgen, Krankheit und altersbedingter Einschränkung nicht minderwertig zu fühlen, weil man sich ja von der höchsten denkbaren Instanz als ‚Ebenbild‘ und ‚Freund‘ geachtet weiß.“

Der Schweizer Psychiater Jakob Bösch geht noch weiter: „Geistiges Heilen und Spiritualität gehören zusammen und bedeuten Globalisierung von Religion und Medizin. Die zentralen, spirituellen Botschaften der großen Weltreligionen sind weitgehend deckungsgleich. Die Besinnung auf dieses gemeinsame Wissen überschreitet die Grenzen von Nationen, Religionen und Rassen. Geistiges Heilen ist der Teil der Heilkunde, der armen und reichen Menschen auf dieser Erde gleichermaßen zur Verfügung steht.“ Er fand heraus, dass „die Hälfte von befragten Krankenhauspatient den Wunsch äußerten, ihre Ärzte möchten am Krankenbett mit ihnen beten.“ Doch sie stoßen damit auf ein Dilemma. „Solche Ergebnisse bringen die Ärzteschaft in Verlegenheit, wird doch an einem der großen Tabus gerüttelt. Anders als die Sexualität haben Spiritualität und Religiosität der Enttabuisierung bis heute standgehalten.“ Dabei sieht er in seiner Praxiserfahrung und dem Vergleich mit internationalen Studien, „dass religiös-spirituelle Menschen über bessere körperliche und seelische Gesundheit verfügen; wenige Prozent der Studien haben bei religiösen Menschen mehr Gesundheitsprobleme gefunden.“

Vielfalt und Individualität
Im Hinduismus ist davon die Rede, dass es tausend Namen Gottes gibt. Im Islam hat Allah 99 Namen. Deutlich wird hier die Vielfalt dessen, was wir als Gott ansehen und annehmen. Und ebenso vielfältig sind die Formen und Worte, die wir im Gebet verwenden. Beten und damit die Wahl jener Worte, mit denen wir beten, ist ein “Sehnen des Herzens”, wie Sophy Burnham meint. „Im Gebet manifestiert sich der unwiderstehliche Drang unserer Menschennatur, mit der Quelle der Liebe, mit der Energie des Universums, Kontakt aufzunehmen und zu kommunizieren. Im Gebet bitten wir in jenen Momenten um Hilfe, wo wir uns einer Situation absolut nicht gewachsen fühlen.“

Sind es aber bestimmte, spezielle, nur Insidern bekannte Worte, die dorthin führen können? Ich glaube nicht. Ich folge da lieber Jacques Gaillot, der sagt: „Jeder hat seinen Weg. Das Gebet hat einen persönlichen Stil so, wie jeder eine besondere Stimme, ein besonderes Gesicht hat; und der Körper ist mit einbezogen. Es ändert sich mit dem Alter, den Ereignissen, der Verantwortung.“ Mir fällt an dieser Stelle ein Bild ein: Wenn es darum geht, heilende Worte auf ihre Authentizität zu prüfen, muss man sie wie beim Goldwaschen behandeln. Immer wieder sieben, schütteln, den Schmutz und Dreck durch das klare Wasser von ihnen abspülen. Und dann den Gold-Kern nehmen und drauf beißen: Ist er wirklich echt? Gaillot sagt: „Das Gebet macht solidarisch. Es führt zum Wesentlichen. Es erweitert die Herzen.“ Und mir scheint: nur dann, wenn ein Gebet die Herzen zu erweitern vermag, ist es echt.

© Werner Anahata Krebber

 

Literatur

Burnham, Sophy: Der Weg des Gebets. München 2003;
Emoto, Masaru: Die Botschaft des Wassers. Burgrain, o.J. ;
Grom, Bernhard: Religiöser Glaube – ein Gesundheitsfaktor? In: Dr. Mabuse 27(2002), S. 16-19;
Krebber, Werner: Worte, die heilen können. Bibliotherapien aus buddhistischem Geist. In: Connection special Nr. 70, S. 54-57;
Krebber, Werner: Der Weg zum Selbst. Vom Weg in die Zukunft auf den Spuren der Mystik. In: Connection special Nr. 68, S. 26-29;

Thomas-Evangelium und Doing Nothing am 4. August 2019 / Herzliche Einladung

Beginn des Thomas-Evangeliums / Bild: wikimedia gemeinfrei

Fühlen Sie sich herzlich eingeladen und merken Sie bitte den Termin schon mal vor. Weitere Informationen folgen…

http://doingnothing.de/

https://mystikaktuell.wordpress.com/

Die Geburt der Mystik in der menschlichen Seele

Foto: © wak

 

Die Mystik ist zugleich mit der Menschheit selbst geboren. Sie ist zugleich mit der Entstehung des Menschenreiches auf Erden offenbar geworden, und sie wird auch mit seiner Vollendung ihr Ziel errichen.

Als der Urmensch diese irdische Welt betrat, und seine Augen das Licht empfinen; – als er zum ersten Male die mannigfache Schönheit und die reizvolle Pracht der Natur um sich herum erschaute, – und als er seine Blicke, einem unschuldigen Kinde gleich, nach oben erhebend die Sonne, den Mond und die unzählbaren Gestirne in dem hohen Gewölbe des Himmels betrachtete, –

da bewegte sich in einem unbefleckten Herzen ein namenloses Sehnen, ein zartes, bebendes und geheimnisvolles Gefühl der Bewunderung, der Ehrfurcht und der Dankbarkeit. Dies war die Geburt der Mystik in der menschlichen Seele.

Vorwort zu „Leben und Sprüche der Sufi-Meister des Islams“. Aus dem Persischen übersetzt von Hossein Kazemzadeh Iranschähr (1884 – 1962), Berlin 1934