Der Hunger nach Gold wird nicht durch Gold gestillt

Carl Sonnenschein | Detail einer Bronzeplakette von Dankwarth Albersmann | Foto: © wak

Franziskus scheut nicht mit oberflächlicher Verachtung auf den „Umbau“ der Dinge. Er will nur, dass, hinter all den anderen Impulsen, die Dynamik des wahrhaftigen Menschentums stehe. Die Freiheit von den äußeren Dingen! Mit denen man hantieren muss. Er will, dass wir durchdringen zur ganz großen Lebenserkenntnis. Berlin braucht diesen Franziskus. Anders wird die Not nicht überwunden. Der Hunger nach Gold wird nicht durch Gold gestillt. Das Letzte ist Armut! Wille zur Hingabe! Von San Damiano muss die Brise kommen. Von Portiunkula der stoß. Vom Alverna die überwältigende Kraft. Wie einst, so jetzt. Aller Besitz ist Gift, und aller Besitz ist Tod, wenn der Mensch sich an ihn verkauft. Es gibt nur einen anständigen Weg durch diese Dinge. Den Weg der geistigen Armut. Das ist Fransici Geheimnis. Die Einordnung der äußeren Güter in den Dienst der innern. Hier liegt die Lösung.

Carl Sonnenschein (1876 – 1929) in: Notizen. Band 5, S. 74ff, vom 3. Oktober 1926