Wovon der Mystiker überwältigt wird

Foto: © wak

Wie können wir den Mystiker denn ganz allgemein und so umfassend wie möglich charakterisieren? Er ist jemand, der auf überwältigende Weise die Anwesenheit erfährt von etwas, das ihn selbst übersteigt und viel wichtiger ist als alles, was man durchweg als Wirklichkeit betrachtet. Das menschliche Universum – die Welt, in der wir leben, und die uns so selbstverständlich und solid erscheint – wird für den Mystiker zu einer durchsichtigen Bühnenwand, weil sich ihm eine andere, endgültige Wirklichkeit anmeldet. Und diese Wahrnehmung einer unvergleichlichen Gegenwärtigkeit ist von einem komplementären psychologischen Phänomen begleitet: der Mystiker fühlt seine normale Ichheit verschwinden. Seine Persönlichkeit – das ist die bestimmte, je eigene Weise, in der man seine Existenz vollzieht – verliert ihre Umrisse. Die Abgeschlossenheit des Menschen, der „er selber ist“, wird bei ihm durchbrochen, seine Einsamkeit wird aufgehoben.

Paul Mommaers in: Was ist Mystik? Frankfurt/M. 1996, S 24

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7 Gedanken zu “Wovon der Mystiker überwältigt wird

  1. Nitya schreibt:

    Lieber Anahata, wenn ich das richtig sehe, stellt hier ein Nicht-Mystiker seine Vorstellungen über einen Mystiker dar. Und ich kann nur aus meiner Erfahrung sagen, dass seine Vorstellungen mit der Wirklichkeit eines Mystikers kaum etwas zu tun haben. Insofern erzeugt er mit seiner Darstellung nur weitere falsche Vorstellungen. Die Verklärung des Mystikers ist eine beliebte Methode, sich selbst nicht auf das einzulassen, was Mstik ist. Letzteres bedeutet immer, „sein Kreuz auf sich zu nehmen“, die Vertikale und die Horizontale.

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    • Mystik aktuell schreibt:

      Lieber Nitya, ob Mommaers Mystiker ist oder nicht, kann ich nicht beurteilen. Im Vorwort seiner Studie schreibt er: „Die vorliegende Schrift möchte eine deutliche und konkrete Darstellung dessen geben, was Mystik ist. Im ersten Teil versuchen wir vor allem, das Objektiv sehr scharf auf das Bild des Mystikers zu richten, indem wir systematisch dem nachgehen, was ihn beseelt und was er erfährt…“
      Letztlich gilt ja aber wohl, was Meister Eckhart schon meinte, als er von „unsagbaren Dingen“ sprach. Gilt das nicht für Mystik ebenso wie für den Mystiker?

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      • Wolkenschaufler schreibt:

        Naja, wenn für Mystik und Mystiker gilt, dass es „unsagbare Dinge“ sind, warum zitierst du ihn dann?

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      • Nitya schreibt:

        Lieber Anahata, einem Mystiker gelingt es weder, sich selbst zu definieren noch verspürt er irgendeine Neigung dazu, dies zu tun. Mystiker bilden ja nicht irgendeine Berufsgruppe, wie etwa die Gruppe der Zahnärzte, deren Tätigkeits- und Erfahrungsbereich annähernd genau beschrieben werden kann. Ein Mystiker weiß sich nicht. Ich stimme Meister Eckhart und dir völlig zu, wenn die Unsagbarkeit der Dinge angesprochen wird. Müsste ich mich dann aber nicht auch bezüglich der Mystiker damit bescheiden, dass ich auf jede Aussage über sie verzichte? „Systematisch nachgehen“ finde ich eine sehr irritierende Formulierung in einem Bereich, in dem es nichts zum Festhalten gibt, in dem jede Definition nur Ausdruck einer Vorstellung und das Wesentliche unsagbar ist.

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  2. Nitya schreibt:

    Einen lieben Gruß auch an dich, lieber Anahata, und herzlichen Dank für deine täglichen Impulse und deine unermüdlche Arbeit seit vielen Jahren für die Sache der Mystik!

    Herzlichst
    Nitya

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