Zufriedenheit und Fülle

Es war im siebten Jahr von Hsien-tung (867 u.Z.), als ich zum erstenmal das Studium des Tao (Zen) aufnahm. Wo immer ich ging, stieß ich auf Worte und verstand sie nicht. Ein Haufen Zweifel in mir, verflochten wie die Ruten eines Weinkorbes. Drei Jahre lang hauste ich unglücklich in den Wäldern am Strom. Als es mir unerwartete geschah, den Zen-Meister zu treffen, wie er auf seinem Teppich saß, ging ich auf ihn zu mit der dringenden Bitte, mir die Zweifel zu zerstreuen. Der Meister erhob sich vom Teppich, auf dem er gesessen hatte, tief versunken in Meditation, er entblößte den Arm und gab mit mit der Faust einen Schlag gegen die Brust. Das zersprengte mit einmal den Klumpen Zweifel in mir gänzlich in Stücke. Ich hob meinen Kopf und sah zum erstenmal, dass die Sonne rund war, ein Ball. Seitdem bin ich der glücklichste Mensch auf der Welt, ohne Furcht, ohne Plage. Tagein, tagaus verbringe ich meine Zeit auf die lebendigste Weise. Nur mein Inneres nehme ich wahr, das überquillt von einem Gefühl der Zufriedenheit und Fülle. Nicht länger gehe ich aus, einmal hier-, einmal dorthin, mit meiner Bettelschale um Nahrung.

Rakan Osho (Lohan Hoshung) in “Die Übertragung des Lichtes (Dentoroku), Heft XI. Zitiert in: D.T. Suzuki, Der westliche und der östliche Weg. Berlin 1982, S. 40-41

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