Verleiht Red Bull Sinn?

Verleiht Red Bull Sinn? Kritische Anmerkungen zu einer frag-würdigen Publikation könnte die Überschrift auch heißen. Oder auch: Ethicwashing eines umstrittenen Konzerns.

Die Begeisterung für den Dalai Lama, die in manchen Kreisen zu spüren ist, habe ich noch nie wirklich teilen können. Jetzt aber – so finde ich – hat er sich zu etwas hinreissen lassen, das ich als publizistisches Ärgernis bezeichnen würde. Aus mehreren Gründen.

Worum geht es?

In der „Welt“ vom 29. August stoße ich auf eine Anzeige:

„Der Appell des Dalai Lama an die Welt“

Farblich herzvorgehoben heißt es dann: „Kostenloser Download in 8 Weltsprachen bei allen eBook-Onlinehändlern und für € 4,99 als Buch erhältlich.“

Darunter ein Logo, das nicht wirklich gut lesbar ist.

dlanzeigeweltAnzeige in der „Welt“ vom 29. 8. 2015

Nach kurzer Suche gibt es – für mich – überraschende Informationen.

Erst wenn man das Büchlein in der Hand hält, sieht man, dass es in Zusammenarbeit mit Franz Alt entstanden ist. Auf dessen eigener Seite heißt es unter anderem:

„Noch passender, dass nicht nur der Dalai Lama, sondern auch Franz Alt erleuchtet ist, betreibt er doch eine Internetpräsenz, die sich Sonnenseite nennt und die ökologische Kommunikation mit dem viel gereisten und für Vorträge weltweit gebuchten Journalisten anbietet.“

So hier:

http://www.sonnenseite.com/de/tipps/der-battle-moench-dalai-lama-steigt-der-welt-weise-aufs-dach.html

Da will ich jetzt mal nichts zu sagen…

 

Das Büchlein selbst:

Das Büchlein hat 56 Seiten. Darauf entfallen

– Vorwort Franz Alt: 3 Seiten
– Der Text des Appells: 6 Seiten
– Interview Franz Alt mit dem Dalai Lama: 32 Seiten
– Geschichte des Dalai Lama: 5 Seiten
– Lebensdaten des Dalai Lama:  3 Seiten

Das Büchlein: (in der von kurier.at zum kostenlosen Download in mehreren Sprachen angebotenen Version)

http://kurier.at/lebensart/leben/der-dalai-lama-wird-80-jahre/139.745.170

 

Der Verlag – eine Tochter von Red Bull

Das Büchlein erschien bei „Benevento Publishing“. Im Impressum wird „Benevento Publishing“ angegeben als „Marke der Red Bull Media House GmbH, Wals bei Salzburg“

http://www.beneventobooks.com/

Hier liest man zum Selbstverständnis von Benevento:

„Geschichten, die einen Machthaber zittern und Menschen lachen und weinen lassen. Chronist der leisen Stimmen und Verfechter der Wahrheit sein. Wehrlosen eine Stimme geben. Kulturen verstehen. Menschen ermutigen. Mit Geschichten die Welt verändern.

Das alles und noch viel mehr ist Benevento – ein frischer Wind für alle,
die Bücher lieben.“

 

Konkreter wird es hier:

http://www.beneventopublishing.com/

„Das Verlagshaus Benevento Publishing ist eine Marke der Red Bull Media House GmbH. Unter diesem Dach werden verschiedene Verlage vereint: Der Ecowin Verlag bringt jedes Jahr spannende Themen aus dem Bereich Sachbuch und schafft es regelmäßig auf die Bestsellerlisten. Seit 2014 ist der Servus Verlag als Ergänzung und Vertiefung für Servus TV und Print mit dabei. Mit dem Verlag Pantauro eröffnen sich dem Leser begeisternde Einblicke in die Welt von Red Bull. Der Benevento Verlag sucht weltweit nach außergewöhnlichen Geschichten mit internationaler Relevanz.

 

rbmediahousedlScreenshot der Homepage von redbullmediahouse

http://www.redbullmediahouse.com/company/news/article/an-appeal-by-the-dalai-lama-to-the-world-is-the-first-title-published-by-newly-established-benev.html

Siehe auch http://www.redbullmediahouse.com/

 

Red Bull: ein umstrittener Konzern

Red Bull ist seit langem umstritten. Als ein Beispiel von vielen sei auf diesen Artikel hingewiesen, der vom Extrem-Marketing berichtet:

http://www.zeit.de/2013/19/red-bull-extremsport-marketing-helmar-buechel
Dass „Red Bull“ von Marketing was versteht, zeigt sich auch hier in deutlicher Weise.

 

Und noch etwas:

Der Dalai Lama, Franz Alt und der Verlag Benevento verzichten nach eigenen Angaben auf Honorar und Gewinn und spenden sie an die „Deutsche Tibethilfe“. Schön und gut. Auf deren Seite gibt es allerdings zu der Verbindung von Red Bull und dem Verlag kein Wort. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt…

http://www.deutschetibethilfe.de/index.php?id=64

 

Werner A. Krebber

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2 Gedanken zu “Verleiht Red Bull Sinn?

  1. Günther Quast schreibt:

    Warum sollte sich vitale auch weltliebende Mystik nicht mit den Dingen,der Wirtschaft verbinden?Sie sind nun einmal anwesend und gehören zu deren Fülle,inwieweit wir dadurch eventuell unser „Gold im groben Stein“(Böhme) drohen zu verlieren,ist eine Frage des Erkenntnisgrades jedes Einzelnen.

    Gefällt mir

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